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Deutschland / Welt Borgward kehrt zurück
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Borgward kehrt zurück
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06:20 13.02.2015
Von Lars Ruzic
Der Borgward kehrt in die Automobilindustrie zurück. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Auf dem Genfer Autosalon Anfang März will Gründerenkel Christian Borgward seine Pläne vorstellen, ein erstes Modell soll angeblich bereits im September auf der IAA in Frankfurt präsentiert werden – eine größere Limousine.

Der Enkel von Carl Friedrich Wilhelm Borgward hat bereits vor sieben Jahren eine Firma gegründet, die den Weg zur Rückkehr der Marke ebnen soll. An seiner Seite hat er inzwischen einen potenten Partner – den chinesischen Nutzfahrzeugspezialisten Beiqi Foton. Das erst 1996 gegründete Unternehmen baut heute Lkw von Mercedes genauso wie Minivans von Toyota. Bis 2020 will man jährlich vier Millionen Fahrzeuge fertigen – und Borgward soll seinen Teil dazu beitragen.

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Das Kalkül ist einfach: Deutscher Name mit deutscher Automobiltradition – das hat sich im Ausland, zumal in China, noch immer gut verkauft. Deshalb soll das neue Unternehmen auch vor allem dort seine Absatzmärkte finden. Dort dürften die Wagen dann auch gebaut werden. Die Firmenzentrale soll offenbar trotzdem in Deutschland sitzen – des Premium-Images wegen. Die Beteiligten haben sich auf Stuttgart verständigt, berichtet das „Westfalen-Blatt“. Dort säßen ohnehin schon die meisten Zulieferer.

Bremer Lokalpatrioten wird das hart treffen. Schließlich ist Borgward eng mit der Hansestadt verbunden. Dort übernahm Carl F. W. Borgward 1931 die Hansa-Lloyd-Werke, dort startete er nach dem Zweiten Weltkrieg mit Kleinwagen neu, dort lief 1954 bis 1961 die berühmte Isabella vom Band. In seinen besten Zeiten kam Borgward auf 20 000 Beschäftigte und war der viertgrößte deutsche Autobauer – vor Mercedes, Audi und BMW.

Der Gründer interessierte sich allerdings mehr für Technik als für kaufmännische Belange. Als schließlich der Isabella-Absatz in den USA einbrach, kam Borgward schnell in finanzielle Schwierigkeiten. Im Herbst 1960 wurde das Geld knapp, der Bremer Senat stellte Bürgschaften, ein Kredit platzte. Borgward musste das Unternehmen verlassen. Im September 1961 folgte die Pleite. Immerhin: Dem Automobilstandort Bremen schadete das nur vorübergehend. Seit 1978 fertigt Daimler in dem Werk. Mit gut 13 000 Beschäftigten ist es der zweitgrößte Standort des Autobauers.

Dass aufstrebende asiatische Autobauer sich in europäische Traditionsmarken einkaufen, ist längst nichts Neues mehr: Tata ist das bei Jaguar gelungen, Geely bei Volvo. Lediglich das Experiment eines asiatischen Konsortiums mit Saab war ein Fehlschlag. Nur: Alle diese Hersteller waren bekannt, hatten Modelle vorzuweisen. Der komplette Neuaufbau einer alten – international vergessenen – Marke dürfte eine wesentlich größere Herausforderung sein.

Jens Heitmann 13.02.2015
12.02.2015