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Deutschland / Welt Brasilianer übernimmt Führung der Welthandelsorganisation
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Brasilianer übernimmt Führung der Welthandelsorganisation
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18:32 08.05.2013
Der Brasilianer Roberto Azevêdo übernimmt die Führung der WTO. Quelle: dpa
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Genf

Nach einem zähen Ringen hat sich der Brasilianer Roberto Azevêdo als Anwärter auf den prominenten Chefposten der Welthandelsorganisation (WTO) durchgesetzt. Das bestätigte der zuständige Auswahlausschuss der Organisation am Mittwoch. Azevêdo habe sich als derjenige Kandidat unter neun Anwärtern erwiesen, „der die Zustimmung der WTO-Mitglieder im Konsens erhalten kann“, erklärte das Gremium nach einem Treffen der Delegationsleiter der 159-Mitgliedstaaten am Mittwoch.

Der als US-kritisch geltende Diplomat und Außenwirtschaftsexperte brachte es den offiziellen Angaben zufolge in allen drei internen Abstimmungsrunden der WTO auf die größte Anzahl von Stimmen. Zudem habe er auch die zweite Bedingung für den WTO-Chefposten erfüllt - eine hinreichend große Unterstützung in allen Regionen und allen Wirtschaftszonen. In der letzten Runde setzte sich der 55-jährige Azevêdo am Dienstag gegen Mexikos Ex-Handelsminister Herminio Blanco (62) durch.

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Blanco galt als Wunschkandidat der USA und der EU. Beide gratulierten inzwischen dem Gewinner. EU-Handelskommissar Karel De Gucht erklärte, die Europäische Kommission sei überzeugt, dass Azevêdo der WTO helfen werde, die multilateralen Verhandlungen für den Abschluss der Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels wieder in Gang zu bringen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) reagierte positiv auf die Entscheidung. „Als WTO-Insider kann er (Azevêdo) sofort die dringend notwendigen Akzente setzen, um die schleppenden Vorbereitungen auf die WTO-Ministerkonferenz im Dezember auf Bali zu beschleunigen“, erklärte Stefan Mair von der Hauptgeschäftsführung des BDI. Die deutsche Industrie erwarte vom neuen WTO-Chef, dass er eine liberale und zukunftsorientierte Handelsagenda verfolge.

Auch die US-Handelskammer sicherte Azevêdo ihre Unterstützung zu. „Wir brauchen die WTO dringender denn je. Die Organisation steht an einem Scheideweg“, betonte Kammerpräsident Thomas J. Donohue. Die Konferenz in Bali müsse etwas Vorzeigbares bringen, insbesondere eine Vereinbarung über Handelserleichterungen.

Zuvor gratulierte die Regierung Brasiliens. Präsidentin Dilma Rousseff erklärte zugleich: „Das ist kein Sieg für Brasilien, auch nicht für eine Gruppe von Ländern, aber für die Welthandelsorganisation.“ Die WTO müsse in den nächsten Jahren neue und ausgewogene Impulse für den Welthandel geben, damit die Weltwirtschaft in eine neue Phase des Wachstums und der sozialen Gerechtigkeit eintrete.

Brasiliens Außenminister Antonio Patriota sprach hingegen unverhohlen von „einem Sieg für Brasilien und für Azevêdo“, der über außergewöhnliche professionelle Fähigkeiten und eine große Dialogfähigkeit verfüge. Mexiko erkannte die Entscheidung für den bisherigen WTO-Botschafter Brasiliens an. „Der brasilianische Anwärter ... war der bevorzugte Kandidat der WTO-Mitglieder. Die mexikanische Regierung beglückwünscht Botschafter Roberto Azevêdo zu seiner Wahl“, hieß es im Wirtschaftsministerium.

Vor der Übernahme des Amtes vom scheidenden WTO-Generaldirektor, dem Franzosen Pascal Lamy (67), zum 1. September muss Azevêdo noch auf einem formellen Treffen der WTO-Botschafter bestätigt werden. Dies soll am 14. Mai im Konsens erfolgen.

Da es bei der Bestimmung des WTO-Generaldirektors nicht um eine Wahl, sondern ein Auswahlverfahren nach dem Konsensprinzip geht, wurden von der WTO keine konkreten Angaben zu den Entscheidungen einzelner Ländern gemacht.

Azevêdo hatte sich bei der WTO unter anderem gegen Agrarsubventionen in westlichen Staaten ausgesprochen, er kämpfte gegen US-Subventionen für Baumwolle ebenso wie EU-Subventionen für Zucker. Als Kandidat für den höchsten Posten der internationalen Handelsdiplomatie betonte er jedoch, er wolle in diesem Amt strikt neutral und unparteiisch wirken. Seine Amtszeit dauert vier Jahre.

dpa