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Deutschland / Welt Bremer wollen Blohm+Voss kaufen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bremer wollen Blohm+Voss kaufen
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19:39 15.09.2011
Die international zum Verkauf angebotene Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss könnte in deutscher Hand bleiben. Quelle: dpa
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Bremen

Thyssen-Krupp will sich zumindest von der zivilen Sparte der im Jahr 1877 gegründeten Hamburger Werft trennen. Zunächst wollte er sie an die arabische Werftengruppe Abu Dhabi Mar verkaufen, doch die Verhandlungen blieben ergebnislos. Inzwischen laufen Verkaufsgespräche mit einem britischen Finanzinvestor.

Als Alternative bietet sich jetzt die Bremer Lürssen-Werft an. Sie teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass sie ein Kaufangebot für die Blohm+Voss-Gruppe abgegeben habe. Einzelheiten nannte sie nicht. Thyssen-Krupp bestätigte hingegen nur ein Lürssen-Angebot zur Übernahme „ausgewählter Blohm+Voss-Aktivitäten am Standort Hamburg“. Der Konzern werde das Angebot prüfen, „obwohl es derzeit nicht die in Verkaufsprozessen üblichen wirtschaftlichen Details“ enthalte. Deshalb habe Thyssen-Krupp auch „erhebliche Zweifel“, ob die Offerte die Anforderungen an einen „Best Owner“ erfülle. Für den Konzern habe „oberste Priorität, dass Blohm+Voss bei einem neuen Eigentümer bessere Entwicklungschancen hat und den Mitarbeitern eine langfristige Perspektive eröffnet wird“.

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Die Bremer betonten, dass sie mit dem Kauf „deutsche Werftgeschichte erfolgreich fortschreiben“ wollten. Die beiden Unternehmen blickten auf mehr als 100 Jahre Erfahrung im deutschen Schiffbau zurück und seien durch eine gute und erfolgreiche Partnerschaft verbunden, die durch die Investition verstärkt werden solle. Lürssen sehe in der Kooperation mit Blohm+Voss die Chance, das Marine-, das Megajacht- sowie das Service- und Reparaturgeschäft auszubauen. „Gemeinsam können wir so die Gesamtkompetenz des deutschen Überwasser-Marineschiffbaus hier im Norden konzentrieren und uns im internationalen Wettbewerb erfolgreicher aufstellen“, sagte Geschäftsführer Friedrich Lürßen.

Die Industriegewerkschaft Metall bezeichnete Lürssen als „seriöses Familienunternehmen“, das sich an Tarifverträge halte. Aus Sicht der Gewerkschaft sei jetzt entscheidend, ob Lürssen die Standorte und Arbeitsplätze erhalten wolle, sagte ein IG-Metall-Sprecher. Bisher sei aber kein genaues Konzept bekannt.

ThyssenKrupp will sich aus dem Schiffbau weitgehend zurückziehen. Verhandlungen mit dem arabischen Werftunternehmen Abu Dhabi Mar über eine Übernahme des zivilen Schiffbaus von Blohm+Voss sind im Juni nach mehr als eineinhalbjähriger Dauer gescheitert. Auch aus einer Kooperation im militärischen Schiffbau wurde nichts. Lürssen ist einer der erfolgreichsten deutschen Anbieter von Großjachten, baut aber auch Marineschiffe und Spezialtransporter wie Forschungs- und Vermessungsschiffe. Blohm+Voss betreibt ein erfolgreiches Reparaturgeschäft und den Maschinenbau für Schiffe. Beim Bau von Fregatten und Korvetten arbeiteten Blohm+Voss und Lürssen regelmäßig zusammen. Lürssen hat rund 1400 Beschäftigte. Blohm+Voss beschäftigt 1900 Mitarbeiter, davon 1700 in Hamburg. Nach früheren Angaben hat ThyssenKrupp in seinem Werftengeschäft in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2010/11 (30. 9.) schwarze Zahlen geschrieben.

Eckhard Stengel (mit:dpa)