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Deutschland / Welt Briten schlucken Cinemaxx
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Briten schlucken Cinemaxx
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11:07 11.07.2012
Von Lars Ruzic
Hier hat alles angefangen: Das Cinemaxx-Kino in der hannoverschen Nikolaistraße Quelle: Michael Thomas
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Hannover

21 Jahre nach der Eröffnung des ersten Cinemaxx in der hannoverschen Nikolaistraße verliert der Multiplexkino-Konzern seine Eigenständigkeit. Der britische Konkurrent Vue Entertainment will das von Hans-Joachim Flebbe gegründete Unternehmen erwerben und hat sich bereits mit Cinemaxx-Mehrheitsaktionär Herbert Kloiber auf eine Übernahme seiner Anteile geeinigt. 84,6 Prozent der Aktien werden damit den Besitzer wechseln – falls die Kartellbehörden zustimmen.

Den verbliebenen Aktionären bietet Vue Entertainment 6,45 Euro je Aktie. Das entspricht einer Prämie von 45 Prozent auf den Schlusskurs der Cinemaxx-Aktie vom Montag. Entsprechend rasant schoss der Kurs gestern in die Höhe. Der britische Konzern, der dem Finanzinvestor Doughty Hanson gehört, lässt sich die Übernahme insgesamt 175 Millionen Euro kosten. Allein 150 Millionen davon gehen an den Medienunternehmer Kloiber. Gründer Flebbe kann von der Prämie nicht mehr profitieren: Er hatte sein letztes Aktienpaket von 9 Prozent vor zwei Monaten zum Preis von 4,72 Euro pro Papier an Kloiber verkauft.

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Seit der Übernahme durch Doughty Hanson Ende 2010 ist Vue auf Expansionskurs. Erst im Mai hatten die Briten den Konkurrenten Apollo übernommen. Ziel sei die Schaffung einer neuen europäischen Kinogruppe, teilte der Londoner Konzern gestern mit. Gemeinsam komme man auf rund 120 Multiplexkinos mit fast 1100 Kinosälen, mehr als 230.000 Sitzplätzen und 5100 Mitarbeitern.

In der Branche wird davon ausgegangen, dass Vue die Marke Cinemaxx erhalten werde. „Cinemaxx ist ein großartiges Unternehmen mit modernen Multiplexkinos“, lobte Vue-Chef Tim Richards. Er sprach von einer „perfekten Ergänzung zu unseren bestehenden Multiplexkinos und für unsere Marke“. Was der Konzern genau mit Cinemaxx vorhat, darf er erst in der Angebotsunterlage kundtun, die derzeit noch von den Behörden geprüft wird. In der Branche wird aber davon ausgegangen, dass die Briten Cinemaxx möglichst von der Börse nehmen wollen. Die immensen Investitionen in neue digitale und 3-D-Technologien sind derzeit ein wichtiger Treiber der Konsolidierung in der Kinobranche. Größeren Konzernen fällt die Finanzierung leichter – und sie können durch die Bestellung größerer Mengen Kosten sparen.

Kloiber sieht für Cinemaxx nun die Chance, „gestärkt auf Expansionskurs“ zu gehen. Der Münchener Unternehmer war 2004 beim damals strauchelnden Kinokonzern an die Macht gekommen, indem er der Dresdner Bank Kredite billig abkaufte und diese später in Eigenkapital umwandelte. In den vergangenen Jahren habe sich Cinemaxx zu einem „höchst profitablen und schuldenfreien Unternehmen“ gewandelt, lobte er am Dienstag.

Kloiber hatte 2008 auf Flebbes Ende als Vorstandschef gedrungen. Zunächst wechselte der Gründer in den Aufsichtsrat, den er ein weiteres Jahr später ebenfalls verließ. Flebbe, der 1973 als Programmgestalter des Apollo-Kinos in Hannover-Linden begann, ist bis heute im Kinogeschäft tätig. Dem 60-Jährigen gehören unter anderem Luxus-Lichtspielhäuser in Berlin und Köln sowie mehrere Kinos in Hannover und Braunschweig. Mit „seinem“ 1989 in Hannover gegründeten Cinemaxx-Konzern verbindet ihn nur noch die Geschichte.