Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Aufgedeckt: Schwarzarbeit an Schlachthöfen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Aufgedeckt: Schwarzarbeit an Schlachthöfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:19 24.06.2013
In deutschen Schlachthöfen sollen erneut Leiharbeiter-Kolonnen systematisch schwarz beschäftigt worden sein. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Düsseldorf

In deutschen Schlachthöfen sollen erneut Leiharbeiter-Kolonnen systematisch schwarz beschäftigt worden sein. Es werde gegen 22 Beschuldigte und ein Firmengeflecht von rund zwei Dutzend Unternehmen ermittelt, bestätigte Staatsanwalt Ralf Möllmann am Montag in Düsseldorf Informationen des „Norddeutschen Rundfunks“.

Bereits Mitte Mai hätten 450 Polizisten, Zollbeamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte bundesweit an 90 Orten Büros und Wohnungen durchsucht. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass mit dem Einsatz der Leiharbeiter aus Rumänien und Polen von den Leiharbeitsfirmen Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen wurden.

Anzeige

Keine Nennung von Orten

Durchsuchungen gab es in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hessen, Schleswig-Holstein, Berlin und Thüringen. Die Orte wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.

Mit einer ähnlichen Durchsuchungsaktion hatten die Ermittler vor sieben Jahren die Branche aufgeschreckt. Ein deutscher Arbeiter-Verleiher aus Mönchengladbach wurde in der Folge im Jahr 2010 vom Düsseldorfer Landgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler mussten für die Massen an sichergestellten Unterlagen eine Turnhalle anmieten.

Strippenzieher sitzen offenbar am Niederrhein

Die Beschuldigten im aktuellen Verfahren der Ermittlungskommission „Karo“ seien zwar andere, sagte Möllmann. Die Strippen für den Einsatz der Arbeiterkolonnen sind aber offenbar erneut am Niederrhein gezogen worden. Kamp-Lintfort und Moers waren Orte der Durchsuchungen.

Das Verfahren sei zunächst von der Duisburger Staatsanwaltschaft geführt und wegen des Umfangs an die Düsseldorfer Behörde abgegeben worden. Mehr als ein Dutzend Schlachthöfe soll von Hintermännern der Szene mit billigen Arbeitskräften versorgt worden sein.

Internationaler Ärger durch „chinesische Verhältnisse“

Die Leiharbeiter-Kolonnen haben die Stammbelegschaften der Schlachthöfe vielerorts dezimiert. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ sorgen die „chinesischen Verhältnisse“ in der deutschen Fleischindustrie inzwischen auch international für Ärger.

Die belgische Regierung habe sich bei der EU-Kommission über Sozialdumping und Wettbewerbsverzerrung in Deutschland beschwert. Die Billigkonkurrenz aus Deutschland soll inzwischen auch den belgischen Fleischverarbeitern zu schaffen machen und einen „Schlacht-Tourismus“ befördern.

Die ARD wollte am Montagabend eine NDR-Dokumentation „Lohnsklaven in Deutschland“ senden. Die betroffenen Firmen hätten die Vorwürfe bestritten.

dpa

Mehr zum Thema

Die Schwarzarbeit in Deutschland ist auf dem Rückzug. Ihr Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren sinken.

Deutsche Presse-Agentur dpa 06.02.2013

Schwarzarbeit lohnt sich in Deutschland immer weniger. Dank der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt nehmen die meisten Menschen lieber einen regulären Job an. Doch eine Abschaffung der Minijobs könnten das schnell wieder ändern, warnen Experten.

06.02.2013

Deutschlands Friseursalons beklagen zunehmende Schwarzarbeit und Nachwuchsmangel. Schwarzarbeit habe einen Umfang von schätzungsweise 20 Prozent des legalen Branchenumsatzes, sagte Rainer Röhr, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks, am Montag in Bad Homburg.

06.05.2013
24.06.2013
Deutschland / Welt Börsen in China brechen ein - Absturz in die Tiefe
24.06.2013