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Deutschland / Welt Chef der KKH-Allianz warnt vor flächendeckendem Zusatzbeitrag
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Chef der KKH-Allianz warnt vor flächendeckendem Zusatzbeitrag
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15:01 13.05.2011
Die Schließung von Krankenkassen führt nach Ansicht von Experten zu Zusatzbeiträgen. Quelle: dpa
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Der Vorstandschef der Krankenkasse KKH-Allianz, Ingo Kailuweit, hat vor fast flächendeckenden Zusatzbeiträgen bei den gesetzlichen Versicherungen im kommenden Jahr gewarnt. „Die Koalition sollte die voraussichtlichen Mehreinnahmen in Milliardenhöhe durch den Konjunkturboom in diesem Jahr nicht in die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds stecken“, sagte Kailuweit am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Sonst müssten die Kassen reihenweise den Aufschlag erheben.

„Im kommenden Jahr dürften die Kassen mit vier bis fünf Milliarden Euro unterfinanziert sein. 70 bis 80 Prozent müssten dann Zusatzbeiträge nehmen“, sagte Kailuweit. „Rutschbahneffekte wie bei der City BKK drohen: Lukrative Versicherte mit hohen Einkommen verlassen Kassen, wenn dort ein hoher Zusatzbeitrag eingeführt wird.“

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Der Kassenchef warnte: „Je mehr Kassen geschlossen werden müssen, desto stärker belasten die Schließungskosten das System.“ Allein daraus ergebe sich die Notwendigkeit weiterer Zusatzbeiträge. „Um dies zu verhindern, muss der Gesundheitsfonds so ausgestaltet sein, dass ein gerechter Wettbewerb möglich ist.“

Ein „riesiges Handicap“ sei der heutige Finanzausgleich zwischen den Kassen (Risikostrukturausgleich). „Bleibt er, brauchen wir einen Regionalindex. Für die Versorgung in teuren Regionen, etwa Städten wie Berlin oder Hamburg, muss ein Ausgleich kommen“, forderte Kailuweit. „Sonst kann es keinen gerechten Wettbewerb unter den Kassen geben.“ Derzeit bekommen Kassen für Patienten mit bestimmten Krankheiten zwar höhere Zuweisungen aus dem Fonds, nicht aber für Patienten in Regionen mit besonders hohen Therapiekosten.

Die Kassen müssten ihre zentrale Gestaltungsaufgabe wahrnehmen können, die Behandlung der Patienten zu optimieren. „Das steigert die Zufriedenheit der Versicherten, und Krankheitskosten verringern sich“, sagte Kailuweit. „Sonst werden die Kassen im schärfer werdenden Wettbewerb nicht bestehen können.“

Angesichts der Nöte vieler Versicherter der bankrotten City BKK, bei anderen Kassen unterzukommen, mahnte Kailuweit eindringlich gemeinsamen Lösungen bei den Kassen an. „Einzelne Kassen sollten sich da nicht aus der Verantwortung stehlen.“ Zu überlegen sei etwa, ob die Kassen die Versicherten entsprechend ihrem Marktanteil aufnehmen.

dpa