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Deutschland / Welt Commerzbank will Staatshilfen tilgen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Commerzbank will Staatshilfen tilgen
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22:24 13.03.2013
Foto: „Wir bedanken uns“: Martin Blessing will den Staat vorzeitig aus der Commerzbank verabschieden.
„Wir bedanken uns“: Martin Blessing will den Staat vorzeitig aus der Commerzbank verabschieden. Quelle: dpa
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Frankfurt

Konzernchef Martin Blessing sprach vom „Einstieg in den Ausstieg“ des Bundes, der seit der Milliardenspritze in der Finanzkrise 2008/2009 größter Einzelaktionär der deutschen Nummer zwei ist. Im politischen Berlin wurden die Bestrebungen begrüßt, an der Börse geriet die Aktie stark unter Druck.

Die Commerzbank will mithilfe der Kapitalerhöhung sowohl die restlichen Hilfsgelder des Bankenrettungsfonds Soffin (1,63 Milliarden Euro) als auch die Stille Einlage des Versicherungskonzerns Allianz (750 Millionen Euro) vorzeitig komplett zurückführen. Der Soffin und damit der deutsche Staat werde in der Folge seine Sperrminorität von 25 Prozent aufgeben und seinen Anteil an der Commerzbank voraussichtlich unter 20 Prozent senken.

Geplant ist die Ausgabe neuer Aktien im Volumen von 2,5 Milliarden Euro mit Bezugsrechten für die bisherigen Anteilseigner. Die vom 22. Mai auf den 19. April vorgezogene Hauptversammlung soll das Vorhaben absegnen. Über die Bühne gehen soll die Transaktion dann von Mitte Mai bis Anfang Juni 2013.

„Die Unterstützung seitens der Politik und des Steuerzahlers war während der Finanzkrise sehr wichtig für uns. Hierfür bedanken wir uns nochmals ausdrücklich“, erklärte Blessing. Das Bundesfinanzministerium teilte mit: „Es war immer das Ziel der Bundesregierung, dass die im Zuge der Finanzmarktkrise gewährten Stabilisierungsmaßnahmen so eng wie möglich zeitlich begrenzt werden.“ Dass sich die Commerzbank am Kapitalmarkt langfristig anrechenbares Kernkapital beschaffe, sei „ein wichtiger Schritt, um neue Investorenkreise zu gewinnen und das Vertrauen in das Geschäftsmodell der Commerzbank weiter zu stärken. Dies kommt am Ende auch dem Steuerzahler zugute“, erklärte das Ministerium.

Blessing hatte nach einem weiteren Krisenjahr 2012 für 2016 eine Trendwende in Aussicht gestellt. Mit der Kapitalmaßnahme erhöhe sich auch die Chance der Aktionäre auf eine Dividende, hieß es jetzt. Für 2013 allerdings sei nicht mit einer Ausschüttung zu rechnen.

Der Staat war Mitte September 2008 in zwei Schritten bei der Commerzbank eingestiegen, die mitten in der Finanzkrise die mit Altlasten behaftete Dresdner Bank übernommen hatte. Insgesamt flossen 18,2 Milliarden Euro staatliche Hilfsgelder, davon 16,4 Milliarden Euro als Stille Einlage. Den Löwenanteil davon hat die Bank bereits mit einer früheren Kapitalerhöhung getilgt.

Die die neue Kapitaltransaktion organisierenden Häuser Deutsche Bank, Citibank und HSBC haben sich nach Angaben der Commerzbank vorab verpflichtet, das gesamte Volumen der nun geplanten Kapitalerhöhung zu übernehmen. Die Aktien der Commerzbank brachen nach der Ankündigung um zeitweise mehr als 14 Prozent ein. Aufgrund von entsprechenden Gerüchten hatten sie bereits am Vortag massive Verluste verzeichnet.

Aktie wird optisch aufgewertet

Zu den von der Commerzbank verkündeten Beschlüssen gehört auch eine Kapitalherabsetzung. Zehn alte Commerzbank-Aktien sollen in eine neue umgetauscht werden. Dies klingt zunächst widersinnig, denn Ziel der Commerzbank ist es doch eigentlich, ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Dies ist aber nur ein scheinbarer Widerspruch. Die Umwandlung dient einzig und allein dem Zweck, die Aktie optisch aufzuwerten.

Für die Aktionäre ändert sich dadurch am Wert ihrer Depots überhaupt nichts. Sie erhalten für zehn alte Commerzbank-Aktien eine neue, aber diese ist dafür zehnmal so viel wert wie ein bisheriger Anteilsschein. Auf der Basis des Börsenkurses von gestern hält der Aktionär also künftig eine Aktie zu jeweils 12,50 Euro statt zehn Aktien zu je 1,25 Euro.

Für das ganze Unternehmen sieht das so aus, dass aus den bislang 5,83 Milliarden Aktien 583 Millionen Aktien werden. Materiell ändert sich dadurch nichts: Der Wert des Unternehmens, also der Commerzbank, hängt nicht davon ab, auf wie viele Aktien er sich verteilt. Derzeit bewertet die Börse die Bank insgesamt mit etwa 7,5 Milliarden Euro.

Was ist dann der Sinn der Aktion? In der Mitteilung vom Mittwoch ist von einer erhöhten „Transaktionssicherheit“ die Rede. Gemeint ist die geplante Kapitalerhöhung. Nach dem Aktiengesetz dürfen neue Aktien nicht unter einem Euro ausgegeben werden. Eine Kapitalaufstockung mit Bezugsrecht der Altaktionäre, wie sie die Commerzbank plant, findet üblicherweise zu einem deutlich geringeren Kurs als dem aktuellen Börsenkurs statt. Damit käme die Bank der Untergrenze von einem Euro gefährlich nah. Dies wird durch die Zusammenlegung der Aktien vermieden.

dpa/ash