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Deutschland / Welt Conti-Aufsichtsratschef Grünberg tritt ab
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Conti-Aufsichtsratschef Grünberg tritt ab
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17:48 06.03.2009
Conti-Aufsichtsratsvorsitzender Hubertus von Grünberg trat zurück. Quelle: Rainer Surrey
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Für einen tragfähigen Plan, wie die beiden Unternehmen zusammenarbeiten wollen, benötige Schaeffler noch etwas Zeit. Unterdessen trat der Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg mit sofortiger Wirkung zurück. Der zunächst als sein Nachfolger vorgesehene Berater des fränkischen Familienkonzerns Schaeffler, Rolf Koerfer, wird diesen Posten vorerst nicht einnehmen.

Ein Schaeffler-Sprecher betonte, dass das wegen der Conti-Übernahme hoch verschuldete und um Staatshilfe bittende Unternehmen „fieberhaft“ an einem Zukunftskonzept arbeitet. Die Gewerkschaften IG Metall und IG BCE forderten, dass die Arbeitsplätze bei der Continental AG und der Schaeffler-Gruppe auf der Grundlage der Investorenvereinbarung gesichert würden. Eine Aufteilung der Unternehmen sei „nicht akzeptabel“.

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Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vermisst bisher einen stimmigen Plan. Sowohl bei Opel als auch bei Schaeffler fehlten bislang „Konzepte, die als Entscheidungsgrundlagen dienen können“, sagte Guttenberg der „Wirtschaftswoche“ laut Vorabbericht.

Grünberg begründete seine Amtsaufgabe unter anderem mit dem fehlenden tragfähigen Konzept. Stattdessen hätten die anwesenden Schaeffler-Vertreter bisher eine Demonstration der Macht abgeliefert, bemängelte er. Schaeffler schade Continental, indem der Hannoveraner Autozulieferer in den Abwärtsstrudel der finanziell angeschlagenen Franken mitgerissen werde. Konkreter wurde Grünberg nicht.

Grünberg hatte den Franken ursprünglich den Weg zur Übernahme des dreimal so großen Conti-Konzerns geebnet und dafür intern viel Kritik geerntet. Später war er bei Schaeffler in Ungnade gefallen, nachdem er sich in der seit Sommer vergangenen Jahres andauernden Übernahmeschlacht für die Interessen von Conti eingesetzt hatte.

Bis zur Wahl eines neuen Aufsichtsratschefs auf der Hauptversammlung am 23. April leitet nach Conti-Angaben Grünbergs Stellvertreter Werner Bischoff das Kontrollgremium kommissarisch. Koerfer durfte am Freitag nicht wie geplant in den Conti-Aufsichtsrat einziehen. Nach einer Beschwerde eines Aktionärs hatte das Landgericht Hannover die geplante Ablösung von Grünberg durch Koerfer gestoppt.

Koerfer durfte auch nicht an der Sitzung teilnehmen. Unklar blieb zunächst, ob die übrigen drei Schaeffler-Vertreter, Firmeninhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg und Geschäftsführer Jürgen Geißinger, wie geplant in den Conti-Aufsichtsrat eingezogen sind.

Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach hat sich mitten in der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise mit der Conti-Übernahme verhoben und hat nun Schulden von rund zehn Milliarden Euro. Conti selbst sitzt seit dem Kauf der früheren Siemens-Tochter VDO auf einem ebenso hohen Schuldenberg und ist nach dem Kurssturz der Aktie nur noch knapp ein Fünftel dessen wert, was Schaeffler bezahlt hat.

Nach eigenen Angaben benötigt Schaeffler fünf bis sechs Milliarden Euro. Die Herzogenauracher müssen monatlich allein Zinszahlungen in Höhe von etwa 70 Millionen Euro aufbringen. Inzwischen wird darüber spekuliert, ob die Banken, die Schaeffler das Geld für die Übernahme geliehen haben, den Franken wieder Luft verschaffen, indem sie ihnen die Conti-Anteile abnehmen. Schaeffler ist seit 8. Januar mit 49,9 Prozent Großaktionär des weltweit fünftgrößten Autozulieferers.

ddp