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Deutschland / Welt Conti plant Milliardenanleihen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Conti plant Milliardenanleihen
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21:20 15.06.2010
Von Lars Ruzic
Conti-Chef Elmar Degenhart (links) und sein Finanzvorstand Wolfgang Schäfer sind auf der Suche nach Umschuldungsmöglichkeiten. Quelle: dpa
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Continental will deutlich mehr Geld bei Anlegern einsammeln als bislang geplant. In den kommenden anderthalb Jahren könnten mehrere Anleihen im Gesamtvolumen von gut 4 Milliarden auf den Markt gebracht werden, hieß es aus dem Konzern. Der Zulieferer will damit seine Bankschulden halbieren und die Fälligkeiten für das geliehene Geld strecken. Die Zeiträume für Anleihen liegen in der Regel zwischen drei und sieben Jahren. Auch eine Platzierung bei Privatanlegern wollte ein Sprecher nicht ausschließen.

Allen Investoren winken Zinssätze von bis zu 10 Prozent, weil Conti bei den Ratingagenturen den zweifelhaften „Ramsch“-Status genießt und als entsprechend risikoreiche Anlage gilt. Das zieht hohe Aufschläge auf die marktüblichen Zinsen nach sich. Finanzchef Wolfgang Schäfer gibt sich dennoch optimistisch: „Continental hat bereits in der Vergangenheit erfolgreich Anleihen begeben. Auf diesen Pfad wollen wir zurückkehren“, sagte er dem „Handelsblatt“.

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In Finanzkreisen gebe es bereits großes Interesse an den Anleihen, ergänzte ein Conti-Sprecher – zumal die Hannoveraner im Kerngeschäft derzeit wieder auf dem aufsteigenden Ast sitzen. Unlängst hatte Konzernchef Elmar Degenhart erklärt, die Geschäfte liefen derzeit deutlich besser als anfangs erwartet. Conti ist nach der Übernahme von Siemens-VDO hoch verschuldet. Die Verbindlichkeiten summieren sich derzeit auf mehr als 8,2 Milliarden Euro. Die Ende vergangenen Jahres gelockerten Rentabilitätsauflagen erfüllen die Hannoveraner zwar leicht. Doch das Problem lauert an anderer Stelle. Nahezu die gesamte Summe wird Mitte 2012 fällig. Ohne eine Umschuldung oder den Verkauf ganzer Teilbereiche wäre dies nicht zu stemmen.

Contis Bonität wird nicht allein wegen der eigenen Schuldenlast so schlecht beurteilt. Die Ratingagenturen beziehen Großaktionär Schaeffler in ihre Betrachtung ein. Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach ist nach der Conti-Übernahme mit gut 13 Milliarden Euro verschuldet und will beide Unternehmen fusionieren. Dabei könnte ein Teil der Schaeffler-Schulden auf Conti abgewälzt werden. Der Zusammenschluss soll frühestens im kommenden Jahr erfolgen. Wie der neue Riese auf dem Autozuliefermarkt geführt werden soll, ist dabei noch völlig unklar. Schäfer räumte ein, dass dieser Umstand die Planbarkeit für Investoren einschränke. Man werde ihnen aber eine vernünftige Anleihe mit marktgängigen Vereinbarungen bieten.