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Deutschland / Welt Conti spürt wieder Rückenwind
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Conti spürt wieder Rückenwind
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20:08 23.02.2010
Von Lars Ruzic
Ein Conti-Mitarbeiter mischt im hannoverschen Werk Gummi für eine Kleinserie Reifen. Quelle: ap
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Der Umsatz schrumpfte um ein Sechstel auf 20 Milliarden Euro. Seit dem Tiefpunkt Anfang 2009 befinde sich das Unternehmen jedoch auf deutlichem Erholungskurs, sagte Konzernchef Elmar Degenhart am Dienstag bei der Vorlage vorläufiger Zahlen in Frankfurt. „Wir erleben einen V-förmigen Konjunkturverlauf.“

Auf Jahressicht rechnen die Hannoveraner mit einem Umsatzplus von mindestens 5 Prozent. Rückenwind kommt dabei aus dem Automarkt. Vor allem in den USA füllten die Hersteller wieder die Läger, in Europa wirkten noch die Abwrackprämien nach, sagte Degenhart. Im vierten Quartal konnte der Konzern bereits wieder um 12 Prozent wachsen und erreichte beim Gewinn vor Steuern und Zinsen zumindest eine rote Null. Dieser Trend habe sich zu Jahresbeginn fortgesetzt, und auch die Auftragslage für das zweite Quartal gebe Anlass, „vorsichtig optimistisch“ zu sein, wie es der Conti-Chef formulierte.

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Dafür sehen offenbar auch die Börsianer ausreichend Anlass. Gestern war die in den letzten Tagen arg gebeutelte Conti-Aktie mit einem Plus von mehr als 6 Prozent Tagesgewinner im M-Dax. Dabei half auch die Prognose Degenharts, dass Conti in diesem Jahr zumindest beim operativen Ergebnis wieder in die schwarzen Zahlen zurückfinden wolle. Dabei werde Conti zugutekommen, dass zunächst keine weiteren Abschreibungen auf den teuren Kauf von Siemens-VDO zu erwarten seien und der Großteil der Sanierungsmaßnahmen bereits 2009 anfiel. Beides schlug übrigens mit mehr als 1,7 Milliarden Euro zu Buche.

Für 2010 geht der Konzern lediglich von Sonderbelastungen in der Größenordnung von rund 100 Millionen Euro aus. Dafür steht der zweitgrößte deutsche Zulieferer nach Bosch in diesem Jahr vor Herausforderungen, die ein anziehender Markt mit sich bringt. So werden 2009 aufgeschobene Projekte jetzt umgesetzt und führen zu gut 50 Prozent höheren Investitionskosten. Zudem sind im Aufschwung die Kautschukpreise wieder angezogen, was die Reifensparten und ContiTech mit gut 200 Millionen Euro belasten dürfte.

Nach der zu Jahresbeginn erfolgreich platzierten Kapitalerhöhung sieht der neue Finanzvorstand Wolfgang Schäfer zunächst keine weiteren Chancen, die Schuldenlast zu mindern. Aktuell drücken Conti „nur“ noch 7,8 Milliarden Euro – immerhin 2,6 Milliarden Euro weniger als noch Ende 2008. Das sei nur „mit einer enormen Kraftanstrengung und einem hoch diszipliniert umgesetzten Liquiditäts- und Kostenmanagementprogramm“ gelungen. In naher Zukunft will das Unternehmen eine Hochzinsanleihe auflegen, um die Schulden umzuschichten. Bislang scheiterte das Projekt an zu schlechten Bonitätsbewertungen der Hannoveraner bei den Ratingagenturen.

Erneut konnten sich die Autoelektroniker im Konzern bei ihren Kautschukkollegen bedanken, dass Conti im vergangenen Jahr nicht in noch größere Not geraten ist. Reifen und ContiTech büßten zwar auch fast ein Siebtel ihres Umsatzes ein, erwirtschafteten aber immer noch ein operatives Ergebnis von 650 Millionen Euro. Vor allem die stark vom Endkunden abhängige Pkw-Reifensparte profitierte von einem zumindest in Mitteleuropa blendenden Winterreifengeschäft. „Die Krise hat uns vor Augen geführt, welchen Wert die Gummigruppe für das Unternehmen hat“, sagte Degenhart. Zu einem oft in Rede gestellten Verkauf dieses Bereichs gebe es deshalb „keine Veranlassung“.