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Deutschland / Welt DVD-Geschäft trotzt der Krise
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt DVD-Geschäft trotzt der Krise
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20:21 15.02.2010
Zu den Hits des DVD-Geschäfts zählte 2009 der James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ mit Daniel Craig und Olga Kurylenko. Quelle: Sony Pictures
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Selbst ein aktueller Spitzenfilm kostet auf DVD inzwischen oft kaum mehr als ein Kinoticket. Im Schnitt blätterten Verbraucher für eine Filmscheibe voriges Jahr 11,82 Euro hin, das sind nochmals 44 Cent weniger als im Jahr davor. Seit 2002 sanken die Preise damit um mehr als ein Viertel. Das zeigt die aktuelle Jahresbilanz des Bundesverbands Audiovisuelle Medien (BVV).

Auf dem DVD-Markt herrscht Verdrängungswettbewerb. Elektronikmärkte wie Media-Markt und Internetanbieter wie Amazon liefern sich regelmäßig Preisschlachten, von denen Kunden profitieren können. Sogar brandaktuelle Spitzenfilme, die vier Monate zuvor noch im Kino liefen, gibt es dann für unter 10 Euro. Klassiker wie „Ben Hur“ oder „Vom Winde verweht“, die einst viele Oscars abräumten, werden für kaum mehr als die Hälfte verramscht. Die Zeit der ganz großen Gewinne mit der DVD ist daher für die Filmstudios und Rechteverwerter vorbei. Um so mehr setzt die Branche auf die Blu-ray-Disc, das neue hochauflösende Format, das noch schärfere und kontrastreichere Bilder auf die Mattscheibe bringt. Die Nachfrage nach den blauen Scheiben war wegen der hohen Preise und eines Formatstreits lange sehr flau.

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Doch jetzt floriert das Geschäft. Voriges Jahr hat sich der Absatz von 1,7 Millionen auf 6,2 Millionen Scheiben fast vervierfacht. Grund: sinkende Preise und ein breiteres Angebot. Mit im Schnitt 19,18 Euro wurden die Blu-ray-Discs binnen eines Jahres um fast ein Viertel günstiger. Viele Schnäppchen gibt es inzwischen schon ab 12,90 Euro aufwärts. Allerdings werden für aktuelle Spitzenfilme häufig auch noch bis zu 30 Euro verlangt. Experten rechnen aber damit, dass die Preise für die Geräte und die Filmscheiben mit der Massenproduktion weiter sinken werden, ebenso wie einst bei der DVD. Inzwischen sind Blu-ray-Abspielgeräte für unter 200 Euro zu haben, sie kosten damit aber noch ein Vielfaches von einfachen DVD-Spielern. Trotzdem legen sich inzwischen immer mehr Bundesbürger ein Gerät zu, die Gerätehersteller melden stark steigende Absatzzahlen. Meistverkaufter Film auf DVD war voriges Jahr „Harry Potter und der Halbblutprinz“, gefolgt von „James Bond 007 – Ein Quantum Trost“ und „Ice Age 3“. Auf Blu-ray-Disc sicherte sich der neue James-Bond-Film die Spitzenposition. Im Verleih der Videotheken war der Thriller „Illuminati“ am meisten gefragt.

Insgesamt wurden voriges Jahr 112,8 Millionen Filmscheiben in Deutschland verkauft, ein Plus von rund 9 Prozent. Das DVD-Geschäft macht mit gut 106 Millionen Stück noch den Löwenanteil aus, wächst aber mit zuletzt 5 Prozent inzwischen deutlich schwächer. Der Verkaufsumsatz mit Videos kletterte mitten in der Wirtschaftskrise um 7 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Mit 119 Millionen Euro steuern die Blu-ray-Scheiben schon ein knappes Zehntel bei.

Thomas Wüpper