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Deutschland / Welt Das Stahl-Signal: Gleicher Lohn für Leiharbeiter
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Das Stahl-Signal: Gleicher Lohn für Leiharbeiter
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22:13 30.09.2010
Von Carola Böse-Fischer
Nach dem Tarifabschluss mit einer Laufzeit bis Ende 2012, der für Konzerne wie Salzgitter, ThyssenKrupp und ArcelorMittal gilt, erhalten die Stahlkocher ab 1. Oktober 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Quelle: dpa
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Der erste große Tarifabschluss in Deutschland nach der Wirtschaftskrise setzt ein Zeichen: Die 85.000 Beschäftigten in der nordwestdeutschen Stahlindustrie erhalten ab Oktober 2010 insgesamt 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Zugleich setzte die IG Metall erstmals in Deutschland in einem Tarifvertrag durch, dass die Leiharbeiter der Branche den gleichen Lohn erhalten müssen wie die festangestellten Beschäftigten.

„Darauf sind wir schon ein bisschen stolz“, sagte Oliver Burkhard, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, gestern nach der Eingung mit den Stahlarbeitgebern. Diese verpflichten sich, nur Leiharbeiter zu beschäftigen, die von den Verleihfirmen den gleichen Lohn bekommen wie die festangestellten Stahlkocher. Bis zuletzt hatten sich die Arbeitgeber gegen eine solche Regelung gewehrt, weil sie wegen der geringen Zahl von rund 3000 Leiharbeitern in der Stahlbranche keine „Pilotfunktion“ übernehmen wollten, wie ein Beteiligter erklärte.

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Nach dem Tarifabschluss mit einer Laufzeit bis Ende 2012, der für Konzerne wie Salzgitter, ThyssenKrupp und ArcelorMittal gilt, erhalten die Stahlkocher ab 1. Oktober 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Gefordert hatte die IG Metall eine Lohnerhöhung von sechs Prozent. Für September gibt es eine Einmalzahlung von 150 Euro. Die Auszubildenden bekommen monatlich 40 Euro mehr.

Für den Salzgitter-Konzern wertete Personalvorstand Peter-Jürgen Schneider die Tarifeinigung als „hohen Abschluss, der auch wehtut“. Ein Prozentpunkt Lohnerhöhung bedeute für Salzgitter 4,6 Millionen Euro zusätzliche Kosten. Positiv sei allerdings die längere Laufzeit, erklärte der Arbeitgeberverband Stahl.

IG-Metall-Chef Berthold Huber bezeichnete vor allem die Leiharbeiter-Regelung als „wichtige Etappe“, um den Grundsatz gleicher Bezahlung durchzusetzen. Lob dafür gab es auch von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Arbeitgeber und Gewerkschaften seien ihrer Verantwortung für eine faire Bezahlung nachgekommen, sagte die Ministerin. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider sprach von einer „Zeitenwende“.