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Deutschland / Welt Datenklau an Geldautomaten nimmt zu
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Datenklau an Geldautomaten nimmt zu
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20:57 29.12.2010
Ein Mainzer LKA-Mitarbeiter zeigt an einem Bankautomaten, wo eine Minikamera eingebaut worden ist.
Ein Mainzer LKA-Mitarbeiter zeigt an einem Bankautomaten, wo eine Minikamera eingebaut worden ist. Quelle: dpa
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Der Schaden belief sich seinerzeit Schätzungen zufolge auf 40 Millionen Euro, mehr als 100.000 Kunden waren betroffen.

„Das ist organisierte Kriminalität, dahinter stecken meist Gruppen aus Südosteuropa“, sagte gestern der stellvertretende Dezernatsleiter am Landeskriminalamt von Rheinland-Pfalz, Klaus Wahl. Das typische Täterprofil: „Sehr beweglich, reisend und ein ständiger Austausch der agierenden Täter.“ Und: „Die Köpfe sind fast alle Exgeheimdienstler etwa aus Rumänien, die sich mit Datenklau auskennen.“

Die Masche beim Skimming (Abschöpfen) ist immer die gleiche, bei der technischen Umsetzung werden die Täter laut Wahl allerdings immer erfinderischer – wie etwa der Trick mit dem „Feuermelder“ in einer Bankfiliale zeigt: Eine kleine Kamera in dem Gerät unter der Decke zeichnete auf, wenn Kunden am Automaten ihre PIN-Zahl eintippten. Die persönlichen Daten auf der ec-Karte hatten die Kriminellen durch Manipulationen am Schlitz auch abgegriffen.

Nur zehn Sekunden brauchen die Täter nach Erfahrungen der Ermittler, um ihre Spähinstrumente anzubringen; neben Minikameras in verschiedener Verkleidung können das auch auf die eigentliche Tastatur gelegte täuschend echte Duplikate sein oder Aufsätze am Kartenschlitz. Auch mit Türöffnerattrappen lesen die Täter unbemerkt Karten aus.

Die durch Manipulationen an den Geldautomaten gewonnenen Daten überspielen die Kriminellen ins Ausland, dort werden sie auf sogenannte Blanko-Karten („White Plastics“) gespeist, um dann mit diesen Karten Geld abzuheben – deutsche Automaten erkennen in der Regel diese Fälschungen. Erst beim Blick auf den Kontoauszug sieht der Kunde dann die Bescherung. „Und in der Zwischenzeit haben die Täter schon zahlreiche weitere Daten abgeschöpft“, sagte Wahl.

Die Bankkunden müssen jedoch nicht befürchten, auf dem Schaden sitzen zu bleiben. Anders als bei abhandengekommenen Karten haften die betroffenen Verbraucher für unbefugte Abbuchungen mit einem „Kartendoppel“ nicht direkt. Allerdings trügen letztlich alle Sparer über die Preise für das Girokonto den Schaden mit, der durch diese Betrügereien entstehe, sagte Frank-Christian Pauli, Bankreferent beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Er appellierte an die Banken, ihre Sicherheitssysteme – etwa bei der Entwicklung von Zahlungskarten – zu verbessern.

dpa