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Deutschland / Welt Dax-Aktionäre bekommen Rekorddividenden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Dax-Aktionäre bekommen Rekorddividenden
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14:30 25.03.2012
Die Dax-Konzerne belohnen ihre Aktionäre mit Rekorddividenden. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Stuttgart/Frankfurt

Warmer Geldregen für Dax-Aktionäre: Die Börsenschwergewichte wollen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Summe auf Rekordniveau an ihre Anteilseigner ausschütten. Aus dem Dividendenfüllhorn sollen 27,5 Milliarden Euro sprudeln, wie die Wirtschaftsprüfer und Berater von Ernst & Young berechnet haben. Ihre Auswertung lag der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart am Sonntag vor. Demnach ist die verteilte Gesamtsumme gegenüber 2011 um sechs Prozent höher. Und sie schrammt nur haarscharf am Allzeitbestwert aus dem Jahr 2008 vorbei. Damals waren 27,7 Milliarden Euro geflossen.

Der Trend bei den Dividenden ist auch ein Gradmesser für den Blick in die Zukunft. Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young, sagte dazu, dass die gestiegenen Dividenden nicht nur vom Bestreben der Konzerne zeugten, ihre Aktionäre bei Laune zu halten. „Sie drücken vor allem die Zuversicht aus, dass sich die stabile Entwicklung der vergangenen Jahre weiter fortsetzt - und diese Einschätzung teile ich.“

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Von den 30 Dax-Unternehmen erhöhen 19 ihre Dividende pro Aktie im Vergleich mit dem Frühjahr 2011, als die Ausschüttungen für 2010 flossen. Bei 7 Unternehmen liegt die Dividende auf Vorjahresniveau: Allianz, Beiersdorf, Deutsche Bank, Telekom, ThyssenKrupp, Metro und Munich Re. Nur drei machen Abstriche: Eon (minus 33 Prozent), RWE (minus 43 Prozent) und Lufthansa (minus 58 Prozent).

Den Vogel schießt SAP ab: Der Walldorfer Softwareriese erhöht die gesamte Ausschüttungssumme um satte 82 Prozent. Pro Aktie fließen 83 Prozent mehr - 1,10 Euro statt 60 Cent. Darin enthalten ist eine Sonderdividende (0,35 Euro je Anteilsschein), die es anlässlich des 40-jährigen Firmenbestehens geben soll. Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware hatte 2011 zu seinem Rekordjahr gemacht.

Eine Dividendenauszahlung benötigt immer den Beschluss der Hauptversammlung, in aller Regel werden die Vorschläge der Vorstände aber eins zu eins umgesetzt. Somit dürfte die Ernst-&-Young-Rechnung die spätere Realität treffen. Nach SAP verbuchen die BMW-Aktionäre (2,30 statt 1,30 Euro bei den Stammaktien und 2,32 statt 1,32 für die stimmrechtslosen Vorzugsaktien) sowie die Aktionäre der Deutschen Börse (3,30 statt 2,10 Euro) die spürbarsten Dividendensprünge.

Geht es nach der absoluten Gesamtsumme, rangiert die Telekom oben. Sie verteilt wie im Vorjahr 3 Milliarden Euro. Siemens, Daimler und BASF folgen dahinter. Die nach absoluten Zahlen höchste Dividende je Aktie entfällt auf den Rückversicherer Munich Re, der wie im Vorjahr 6,25 Euro pro Wertpapier zahlt. Bei der Allianz sind es 4,50 und bei der Deutschen Börse 3,30 Euro. Am Ende der Liste steht Infineon. Der Halbleiterhersteller zahlt nur 12 Cent. Diese Art von Vergleich muss natürlich den Kaufpreis einer einzelnen Aktie berücksichtigen.

Zusammenfassend sagte Harms: “2011 war für viele Dax-Konzerne das beste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte. Die operativen Gewinne haben Rekordniveau erreicht. Da ist es völlig angebracht, die Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen.“ Die Gewinne aus dem laufenden Geschäft der Dax-30 nahmen 2011 erstmals die 100-Milliarden-Hürde.

Die drei schrumpfenden Dividenden passen zur Geschäftsentwicklung: Eon und RWE haben mit den Folgen der Energiewende zu kämpfen, die Lufthansa leidet unter hohen Ölpreisen und klagt über Steuern und Abgaben. Ein Sonderfall ist erneut die Commerzbank. Das teilverstaatlichte und in der Krise mit Steuermilliarden gestützte Kredithaus zahlt wie in den Vorjahren überhaupt keine Dividende. Das Geldhaus traf die Griechenland-Krise mit voller Wucht, die Abschreibungen auf Staatsanleihen sind ein Trauerspiel.

Obwohl die Gesamtsumme der Dividenden nun wieder auf dem Rekord der Vorkrisenwerte liegt, muss Experte Harms die Euphorie ein wenig bremsen: „Das Niveau der Ausschüttungen ist inzwischen außerordentlich hoch - eine weitere Steigerung im kommenden Jahr halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagte er zur Prognose. 

jhf/dpa

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