Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Den Deutschen stehen 2011 viele Preiserhöhungen bevor
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Den Deutschen stehen 2011 viele Preiserhöhungen bevor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:08 28.12.2010
Auch im Supermarkt werden die Preise anziehen. Quelle: dpa
Anzeige

Der Shopping-Bummel in der Innenstadt oder im Einkaufszentrum könnte schon bald teurer werden. Egal ob es um Lebensmittel wie Brot oder Schokolade geht, um Textilien wie T-Shirts und Jeans oder um die neuesten Elektronikartikel – überall stehen im nächsten Jahr spürbare Preiserhöhungen bevor. Verantwortlich dafür sind steigende Rohstoff- und Energiepreise, höhere Löhne in Asien und eine Verteuerung der Transportkosten.

Beispiel Textilien: Im vergangenen Jahrzehnt lebten die Verbraucher in der besten aller Welten. Neue preisaggressive Wettbewerber wie H&M und die Verlagerung großer Teile der Produktion nach Asien sorgten nicht nur für Preisstabilität. Das Einkaufen wurde tatsächlich billiger. „Die Zeiten fallender Preise sind vorbei“, sagt Boris Planer vom Marktforschungsinstitut PlanetRetail. Allein der Preis für Baumwolle habe sich im vergangenen Jahr verdoppelt. „Aber nicht nur die Rohstoffkosten steigen, sondern auch die Löhne in Asien. Energie wird teurer, und damit nicht nur die Produktion, sondern auch die Kosten für den Transport der Ware rund um den Globus“, sagt Planer. „Man kann die Weitergabe der höheren Preise an die Verbraucher herausschieben, aber auf die Dauer nicht vermeiden.“

Anzeige

Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein. „Ich rechne damit, dass es in den nächsten Monaten vor allem im Textilbereich, aber auch in anderen Konsumgüterbereichen weltweit zu Preiserhöhungen kommen wird“, hat jüngst auch der Chef des Versandhausriesen Otto, Hans-Otto Schrader, betont. Der Chef der schwedischen Modekette H&M, Karl-Johan Persson, sagte im „Handelsblatt“: „Ich glaube, dass die Preise in der Branche steigen werden.“

Doch nicht nur Textilketten und Boutiquen sind betroffen – auch die Elektronikhändler bekommen die wachsenden Rohstoff- und Transportkosten zu spüren. „Die zusätzlichen Kosten schlagen in unserer Branche bereits auf die Preise durch“, erklärt der Geschäftsführer des Elektronikanbieters Expert, Volker Müller.

Im Supermarkt könnte die Zeit sinkender Preise angesichts steigender Rohstoffpreise ebenfalls vorbei sein. „Im Lebensmittel-Einzelhandel sehen wir schon in den letzten Monaten leicht steigende Durchschnittspreise“, berichtet Wolfgang Adlwarth vom Marktforscher GfK. Und dieser Trend werde sich wohl fortsetzen.

Der Düsseldorfer Markenartikler Henkel (Persil, Pritt, Fa) sagte wegen der steigenden Rohstoffpreise für das kommende Jahr schon Preiserhöhungen bei Wasch- und Reinigungsmitteln sowie bei Klebstoffen voraus. Und der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Peter Becker, rechnet auch bei Brötchen, Brot und Kuchen mit einer Verteuerung: „Ich sehe Preiserhöhungen von im Schnitt 2 bis 3 Prozent.“

Bisher hat der harte Wettbewerb im deutschen Einzelhandel Preiserhöhungen verhindert. „Der Handel profiliert sich noch immer über den Preis, da ist kein Zurückweichen feststellbar“, sagt Gfk-Experte Adlwarth. Aber auf die Dauer werde wohl auch der harte Konkurrenzkampf nicht helfen. „Langfristig müssen sich die Verbraucher auf steigende Lebensmittel- und Bekleidungspreise einstellen“, erklärt Marktforscher Planer. Der wachsende Lebensstandard in Asien und Afrika treibe die Nachfrage nach Rohstoffen und damit die Preise in die Höhe. „Im Moment wächst die globale Nachfrage nach Baumwolle und Lebensmitteln schneller als die Produktion gesteigert werden kann“, sagt Planer. „Dem werden die Verbraucher nicht entgehen können.“ Sein Fazit: „Der langfristige Trend zeigt nach oben – zumindest für die nächsten zehn Jahre.“

dapd