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Deutschland / Welt EADS schickt Mitarbeiter auf den Schleudersitz
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt EADS schickt Mitarbeiter auf den Schleudersitz
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21:15 09.12.2013
Bei dem massiven Stellenabbau des EADS-Konzerns wird es auch betriebsbedingte Kündigungen geben. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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München

EADS wird beim Umbau des Rüstungsgeschäfts nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Von den europaweit 5800 Mitarbeitern, deren Stellen bis Ende 2016 gestrichen werden, dürfte es für rund ein Fünftel auf Entlassungen hinauslaufen, sagte am Montag ein Konzernsprecher. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit 144.000 Menschen. Konzernchef Tom Enders begründete den seit Wochen diskutierten Schritt mit der schwierigen Lage im Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft. Der Betriebsrat hält die Renditeziele von EADS für überzogen.

Gewerkschafter reagierten mit heftiger Kritik und verwiesen darauf, dass die Rüstungssparte Cassidian hohe Erträge abliefere. „Wir sind doch kein Sanierungsfall“, schimpfte Thomas Pretzl, Betriebsratschef von EADS Deutschland. „Uns rauszuschmeißen, die wir die höchsten Gewinne machen, ist blanker Unsinn.“ Er kritisierte Enders’ Renditeziel als überzogen. 2015 soll das operative Ergebnis des Konzerns 10 Prozent vom Umsatz erreichen. „Wegen dieser Maßlosigkeit müssen wir und unsere Familien zu Weihnachten um unsere Existenz bangen“, rief Pretzl seinen Kollegen zu. Beistand bekam er aus der Politik: „Für mich ist auch nicht einsichtig, dass wegen übersteigerter Renditeerwartungen wertvolle Arbeitsplätze in Deutschland und Bremen abgebaut werden sollen“, sagte Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen. In der Hansestadt ist die Deutschland-Zentrale der Raumfahrt- sparte Astrium angesiedelt.

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Wie der Abbauplan die einzelnen Standorte trifft, war gestern noch nicht klar. Von den 5800 Stellen entfällt rund die Hälfte auf Deutschland. So wird die Zentrale von Cassidian in Unterschleißheim bei München geschlossen und zum Produktionsstandort Ottobrunn, ebenfalls vor den Toren Münchens, verlagert. Insgesamt 1500 Mitarbeitern sollen Ersatzstellen in den gut laufenden Geschäftsbereichen Passagierflugzeuge (Airbus) und Hubschrauber (Eurocopter) angeboten werden. In ähnlicher Größenordnung sollen Stellen „sozialverträglich“ abgebaut werden. Außerdem bekommen 1300 Leiharbeiter keine Vertragsverlängerung, so dass nach Angaben eines Konzernsprechers 1000 bis 1450 Kündigungen nötig wären.

Enders verwies darauf, dass die traditionellen Verteidigungsmärkte in Europa schrumpften. Auf wachsenden außereuropäischen Märkten sei EADS nur mit niedrigeren Kosten wettbewerbsfähig. Dazu werden Rüstung und Raumfahrt 2014 in der neuen Sparte Airbus Space & Defence zusammengefasst - dann wird sich auch der gesamte Konzern in Airbus Group umbenennen.

Enders plante den Umbau, seit 2012 die Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems vor allem am Widerstand der Bundesregierung gescheitert war. Während das zivile Geschäft mit Airbus-Passagierflugzeugen boomt, bleiben neue Rüstungsaufträge Mangelware, und bei bestehenden Projekten wie dem Kampfjet Eurofighter streichen Europas Streitkräfte ihre Bestellungen zusammen. Branchenexperten und Gewerkschafter warnen, dass Deutschland bei einem zu harten Sparkurs die technologische Fähigkeit zum Bau von Militärjets verlieren und die zum Bau unbemannter Flugkörper erst gar nicht gewinnen könnte. Dann müsste solches Kriegsgerät im Ausland bestellt werden. Außerdem gingen technologische Abstrahleffekte des militärischen Flugzeugbaus für Passagierflugzeuge verloren. Das ging zuletzt von neuen Werkstoffen bis zu innovativen Flugsteuerungen.

Thomas Magenheim

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