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22:18 23.06.2014
Von Lars Ruzic
Meist sind Studenten und Rentner die Kunden: Fernbusfahrten kosten Zeit. Quelle: Marius Becker
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Hannover

Zudem werden künftig vier Expressrouten angeboten, auf denen sich die Reisezeit spürbar verkürzen soll. Darunter ist auch eine Verbindung zwischen Hamburg und München, die über Hannover führt. Der Expressbus benötigt für die Strecke Hannover-München beispielsweise nur 8:15 statt 13:25 Stunden. Mit Rabatten von 30 Prozent soll das Gemeinschaftsunternehmen der Milliardenkonzerne zudem neue Kunden in seine gelben ADAC Postbusse locken.

Für die Partner ist es bereits der zweite größere Expansionsschritt seit dem Start vor gut sechs Monaten. ADAC und Deutsche Post sind erst gut ein Jahr nach der Liberalisierung des Fernbusmarktes ins Spiel eingestiegen. Im Vergleich mit Konkurrenten wie „Mein Fernbus“ oder Flixbus sind sie noch vergleichsweise klein: Marktführer Mein Fernbus kommt auf mehr als 200 Haltestellen innerhalb der Republik.

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In der Branche wird gemunkelt, dass ADAC und Post mit den Ergebnissen ihres Engagements bislang wenig zufrieden sein können. „Sie zahlen drauf“, sagt ein Branchenkenner. Die Busse seien oft wenig ausgelastet. Gleichzeitig müssten die Partner jedoch den freien Busunternehmern, die ihre Linien bedienen, Pauschalen bezahlen. Als erste Reaktion wurde die Taktung verändert. Die Busse fahren künftig verstärkt am Wochenende, jedoch weniger an Werktagen. Der neue Fahrplan sei „noch besser als bisher auf das Reiseverhalten der Fahrgäste abgestimmt“, formulierte es die Postbus-Pressestelle.

Seit der Liberalisierung ist der Fernbusmarkt kräftig in Schwung gekommen. Vor allem für frühere Bahnfahrer sind die - in der Regel deutlich günstigeren - Busse eine Alternative. Nach einer Erhebung des IGES Instituts machen sie 44 Prozent der Fernbuskunden aus. Der Anteil derjenigen, die ohne Fernbus mit eigenem Auto gefahren wären, liegt bei 38 Prozent. Zumindest im ersten Jahr nach der Liberalisierung haben die Fernbusse dabei allerdings noch keine große Wirkung entfaltet. 2013 waren rund 9 Millionen Menschen in Fernbussen unterwegs. Zum Vergleich: Die Bahn nutzten im selben Zeitraum 130 Millionen Menschen.

Die Kundschaft will wenig Geld ausgeben, opfert dafür dann in der Regel aber Zeit. So sind es meist Studenten oder Rentner, die im Fernbus unterwegs sind. „Die Anbieter können sich nur über den Preis von der Konkurrenz absetzen“, sagt IGES-Fachmann Christoph Gipp. Mitunter zahlen die Kunden so nur 4 Cent pro gefahrenem Kilometer. „Die Busse müssen in solchen Fällen schon sehr voll sein, um profitabel zu fahren.“

Post und ADAC heizen den Preiskampf nun noch einmal an. Für die neuen 30 Ziele versprechen die beiden Partner 30 Prozent Rabatt in den ersten 30 Buchungstagen.

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