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Deutschland / Welt Deutliche Entspannung an europäischen Anleihemärkten-Märkten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutliche Entspannung an europäischen Anleihemärkten-Märkten
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14:36 02.12.2011
Foto: Die Lage an den europäischen Anleihemärkten hat sich weiter normalisiert.
Die Lage an den europäischen Anleihemärkten hat sich weiter normalisiert. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Frankfurt/Main

Die Rendite für richtungsweisende Zehnjahrespapiere aus Spanien fiel am Freitag um 24 Basispunkte auf 5,42 Prozent. Die italienischen Pendants gaben ebenfalls um 24 Punkte auf 6,37 Prozent nach. Rainer Guntermann, Anleihe-Experte der Commerzbank, bezeichnete die Stimmung am Markt gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX als „sehr konstruktiv“. Anleger hätten inzwischen festgestellt, dass das Misstrauen gegenüber Spanien und Italien übertrieben gewesen sein könnte. Nach Einschätzung von Melanie Bowler, Anleihe-Expertin bei Moody’s Analytics, spielen Andeutungen für einen erweiterten Kriseneinsatz der Europäischen Zentralbank (EZB) und die erfolgreichen Bond-Auktionen der Vortage eine entscheidende Rolle bei der Entspannung an der Rendite-Front.

Spanien war es am Donnerstag gelungen, wie angestrebt 3,75 Milliarden Euro an frischen Mitteln bei Investoren einzusammeln. Zwar musste das Land einen höheren Zins bieten als bei den letzten vergleichbaren Versteigerungen. An den Märkten wurde jedoch erleichtert die robuste Nachfrage aufgenommen. Am Dienstag hatte sich bereits das große Euro-Sorgenkind Italien unfallfrei refinanziert - wenngleich zu deutlich erhöhten Kosten. Frankreich, dessen Anleihen zeitweise auch unter erhöhten Druck geraten waren, brachte diese Woche ebenfalls erfolgreich neue Schuldverschreibungen am Markt unter. Offensichtlich entfernt sich das von den führenden Ratingagenturen unter Herabstufungsdruck gesetzte, zweitgrößte Euroland wieder aus dem Visier der Finanzmärkte: Die Risikoprämien haben sich wieder deutlich verringert.

Commerzbank-Experte Guntermann zufolge ist das Vertrauen in die Eurozone als Ganzes zuletzt wieder etwas gestiegen. Darauf lasse auch schließen, dass die deutschen Staatstitel sich in den letzten Tagen im Einklang mit den Anleihen aus Italien und Spanien entwickelten. „Der Markt erwartet konstruktive Ergebnisse vom Euro-Gipfel und der EZB-Zinsentscheidung in der kommenden Woche“. Ähnlich zuversichtlich äußern sich die Analysten vom Bankhaus Metzler: Noch sei nicht aller Tage Abend, doch anscheinend gewinne der Markt zunehmend die Überzeugung, dass man sich im Hinblick auf die anstehenden politischen Events auf dem vermeintlich richtigen Weg befindet, heißt es in einem Kommentar vom Freitag.

Trotz der jüngsten Entspannung an den Bond-Märkten bleibt die Lage im Währungsraum kritisch. Der Krisenherd hat sich diese Woche vom Anleihemarkt in den Bankensektor verschoben. Am Freitag legten sowohl die eintägigen Einlagen als auch die kurzfristigen Ausleihungen der Institute bei der EZB von hohem Niveau aus weiter zu. Die Einlagen stiegen auf zuletzt 313,8 Milliarden Euro - den höchsten Stand seit rund eineinhalb Jahren und viel mehr als üblich. Die Mittel, die sich die Geschäftsbanken über Nacht von der EZB leihen, sprangen unterdessen von 4,6 Milliarden auf 8,6 Milliarden Euro. Sie liegen damit so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr. Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Misstrauens-Indikator, da die Geschäftsbanken auf diese Instrumente normalerweise kaum zurückgreifen.

Der direkte Geldhandel zwischen den Banken ist also - ähnlich wie in der Finanzkrise seit 2008 - wieder erheblich ins Stocken geraten. Aus diesem Grund hatten zur Wochenmitte sechs weltweit führende Notenbanken, darunter die US-Notenbank Fed und die EZB, weitreichende Maßnahmen ergriffen. Sie senkten zum einen den Preis für Dollar-Liquidität, da derzeit vor allem europäische Banken nur schwer Zugang zum amerikanischen Geldmarkt finden. Darüber hinaus spannten die Zentralbanken ein Sicherheitsnetz, für den Fall, dass sich die Spannungen am Interbankenmarkt auf die Liquidität in anderen Landeswährungen ausweiten.

dpa

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