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Deutschland / Welt Einstige Gewinner laufen hinterher
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20:09 30.10.2015
Das Vorbild: Die UBS hat schneller gehandelt. Quelle: dpa
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Frankfurt

 Sie haben den Anschluss verpasst, der einstige Erfolg hat sie nach Einschätzung vieler Beobachter geblendet. „Die europäischen Banken haben zu lange an der Vergangenheit festgehalten“, sagt etwa Oswald Grübel, der außer bei der Credit Suisse auch schon Chef der Schweizer Großbank UBS war. Sie hätten nicht realisiert, dass die Folgen der Finanzkrise dauerhaft seien. Vor allem haben die Institute unterschätzt, wie stark die Aufsichtsbehörden die Zügel anzogen. So machen etwa die strengen Kapitalanforderungen viele Geschäfte im Investmentbanking unrentabel.

Andere haben das weit früher geahnt und sind nun enteilt, allen voran die UBS mit dem früheren Bundesbank-Chef Axel Weber an der Spitze des Verwaltungsrats. Seit seinem Amtsantritt 2012 treibt er den Umbau der mit Milliarden vom Schweizer Steuerzahler geretteten Bank voran. Das Investmentbanking wurde radikal eingedampft, der Ausbau der Vermögensverwaltung forciert, der  Kapitalpuffer gestärkt. Zugleich ging die UBS die Aufarbeitung der Altlasten entschlossen an. Sie bemühte sich um außergerichtliche Einigungen, arbeitete eng mit den Ermittlern zusammen und bot sich zum Ärger der Konkurrenz oft als Kronzeuge an.

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Inzwischen haben auch andere reagiert. Deutsche Bank, Credit Suisse und Barclays setzten allesamt in diesem Jahr ihre Chefs vor die Tür. Von der Vergangenheit unbelastete Manager sollen nun aufräumen. Bei der Deutschen Bank hat der Brite John Cryan, bis 2011 bei der UBS aktiv, gerade erste harte Einschnitte angekündigt. Ähnlich geht die Credit Suisse mit ihrem vom britischen Versicherer Prudential abgeworbenen neuen Vorstandschef Tidjane Thiam vor. Wie Cryan will auch er das schwankungsanfällige Handelsgeschäft ausdünnen. Sein Vorgänger, der Amerikaner Brady Dougan, hatte als gelernter Investmentbanker immer an einem umfangreichen Kapitalmarktgeschäft festgehalten.

Analysten sehen allerdings die Deutsche Bank deutlich im Nachteil. Ihr fehle ein zweites starkes Standbein, wie es die Credit Suisse mit der Vermögensverwaltung hat. Hinzu kommt der umkämpfte deutsche Heimatmarkt. „Die Deutsche Bank hat die größte Herausforderung von allen“, sagt etwa Conor Muldoon vom Vermögensverwalter Causeway.

Bei Barclays haben sie schon in den vergangenen drei Jahren Hand ans Investmentbanking angelegt. Doch das zahlte sich bislang kaum aus, und nun deutet sich ein erneutes Umdenken an. Denn für den im Sommer gefeuerten Vorstandschef Antony Jenkins, einen Privatkundenexperten, soll mit James Staley wieder ein Investmentbanker das Ruder übernehmen. Es wird spekuliert, dass Barclays eine Renaissance des Handelsgeschäfts anstreben könnte. Die politischen Rahmenbedingungen scheinen sich durch den klaren Wahlsieg der britischen Konservativen wieder zu verbessern, der Gegenwind für Banken in London dürfte sich etwas legen. Man will den US-Banken das Kapitalmarktgeschäft nicht völlig überlassen.

Von Erik Nebel