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Deutschland / Welt Deutsche Kaiser werden nicht mehr diskriminiert
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07:48 08.09.2014
Von Albrecht Scheuermann
Mit Bart, ohne Steuer: Goldmünzen aus dem deutschen Kaiserreich. Quelle: dpa
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Die Münzen sind bei Sammlern beliebt, hatten jedoch bislang einen Schönheitsfehler: Teilweise wurden auf 10- und 20-Goldmark-Stücke - je nach Verhältnis des Goldwertes zum Preis der Münze - beim Verkauf auch 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben. Doch das ist nun Vergangenheit: Das neueste Goldmünzenverzeichnis, das von der Europäischen Kommission im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurde, stellt klar, dass der Verkauf dieser Prägungen grundsätzlich steuerfrei bleibt.

Das umfangreiche Verzeichnis beweist, welch mühevoller Arbeit sich die Fachbeamten ausgesetzt haben. Auf 24 Seiten listen sie penibel Hunderte von Goldmünzen aus aller Welt auf, die als sogenannte Anlagemünzen von der Sonderregelung für Anlagegold profitieren. So erfährt der Leser, dass die 1-Tilla-Münze aus Afghanistan in der Europäischen Union ebenso steuerfrei verkauft werden kann wie 10 Quetzales aus Guatemala, 100 Kina aus Papua-Neuguinea oder 100 Zaire aus Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo).

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Die vom Bundesfinanzministerium an die obersten Finanzbehörden der Länder verschickte Liste wirft auch ein Schlaglicht auf das Wirrwarr bei der Besteuerung von Sammler- und Anlagemünzen. So machen die Finanzbehörden schon einmal einen Unterschied zwischen Gold und allen anderen Edelmetallen. Die Möglichkeit der Steuerbefreiung besteht nur für Goldmünzen. Allerdings müssen sie dafür nach dem Jahr 1800 geprägt sein, einen Feingehalt von mindestens 900/1000 aufweisen und im Herkunftsland gesetzliches Zahlungsmittel sein oder gewesen sein. Zudem darf der übliche Verkaufspreis den Marktwert ihres Goldgehalts um nicht mehr als 80 Prozent übersteigen.

Diese Bedingungen erfüllen alle gängigen Goldmünzen, die heute angeboten werden - wie der Krügerrand, der American Eagle oder der kanadische Maple Leaf, aber eben auch viele ältere Münzen wie die Prägungen des Deutschen Kaiserreichs.

Silbermünzen kommen steuerlich schlechter weg. Für sie galt bis Ende vergangenen Jahres immerhin noch ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent, doch seit Jahresbeginn werden die vollen 19 Prozent fällig. Aber keine Regel ohne Schlupfloch: Händler können die sogenannte Differenzbesteuerung anwenden, dann wird nur die Spanne zwischen dem An- und Verkaufspreis mit Mehrwertsteuer belegt. Dies gilt aber wiederum nur für Münzen, die aus einem Nicht-EU-Land importiert werden.

Übrigens gilt auch für Edelmetall-Barren: Gold ist steuerfrei, Silber nicht.

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