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12:04 10.02.2011
Hoffnungsträger: Til Schweigers „Kokowääh“ hat bereits die Million übersprungen.
Hoffnungsträger: Til Schweigers „Kokowääh“ hat bereits die Million übersprungen. Quelle: Warner Bros.
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Peter Dinges, Chef der Filmförderungsanstalt (FFA), will die dürftige Kinobilanz 2010 nicht schönreden. Einige Filme seien offenkundig „am Geschmack des Publikums vorbei produziert worden“, räumte der oberste deutsche Filmförderer zur Eröffnung der Berlinale ein. Das belegen die Zahlen: 127 Millionen verkaufte Eintrittskarten bedeuten fast 20 Millionen oder 14 Prozent weniger Besucher. Und auch der Umsatz sank um fast 56 Millionen auf 920 Millionen Euro.

Nach dem gefeierten Hit „Avatar“, dem bisher erfolgreichsten Film überhaupt, herrsche in der Branche etwas „Katerstimmung“, berichtete Dinges. Besonders viele deutsche Produktionen erfüllten trotz hoher Förderung die Erwartungen nicht. Teure Streifen floppten total, zum Beispiel „Henry 4“ mit 39.000 Besuchern. Aber auch Erfolgsgaranten wie „Ottos Eleven“ blieben mit rund 600.000 Gästen weit unter den Erwartungen.

Der FFA-Chef hofft aber, dass nach der „kreativen Pause“ ein neuer Aufschwung folgt. Mit Til Schweigers „Kokowääh“ habe bereits der erste deutsche Film 2011 mehr als eine Million Kinobesucher geschafft. Voriges Jahr übersprangen nur vier einheimische Produktionen diese Schwelle. Erfolgreichster deutscher Kinofilm war „Friendship!“ mit 1,6 Millionen Gästen. Für 2011 ruhen große Hoffnungen unter anderem auf dem 3-D-Film „Wicky auf großer Fahrt“, Roland Emmerichs „Anonymous“ und der 3-D-Neuverfilmung der „Drei Musketiere“.

Vom 3-D-Boom profitiert bisher nur ein kleiner Teil der Spielstätten. Nur rund 500 der 4700 deutschen Kinosäle sind mit der Technik ausgerüstet. Die Digitalisierung ist teuer, viele Betreiber scheuen die Kosten. Über Förderprogramme für die Umstellung war sich die Branche zudem lange uneins.

So fällt in immer mehr Kinos der letzte Vorhang. Die Zahl der Leinwände und Standorte schrumpft rasant. Allein 2010 machten 130 Kinosäle dicht, nur 95 wurde neu eröffnet. Acht Kinofirmen und 30 Spielstätten verschwanden, gut 1700 Theater sind noch übrig. Besonders ländliche Regionen trifft das Kinosterben. Inzwischen zählt die FFA nur noch 954 Kinostandorte, das sind 22 weniger als noch 2009. In den letzten fünf Jahren schloss in 81 Städten das letzte Lichtspielhaus.

Thomas Wüpper