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Deutschland / Welt Deutsche Papiere finden reißenden Absatz
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutsche Papiere finden reißenden Absatz
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19:38 14.03.2010
Hinter diesem Firmenschild verbirgt sich eine gewaltige Geldbeschaffungsmaschinerie.
Hinter diesem Firmenschild verbirgt sich eine gewaltige Geldbeschaffungsmaschinerie. Quelle: dpa
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Nur ein kleiner Bundesadler neben einer unscheinbaren Tür in der ersten Etage des Komplexes weist auf den Eingang hin. Müssten die Banken, die dem Bund Geld leihen, ihre Vertreter durch diese enge Tür schicken, gäbe es ein hübsches Chaos. Denn allein in diesem Jahr will der Bund 343 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten beschaffen – so viel wie nie zuvor. Mehr als 80 Milliarden davon sind neue Schulden. Der Rest wird gemacht, um alte Kredite durch neue zu ersetzen.

Doch selbst bei solchen Rekordsummen kommt es zu keinem Gedrängel in den Fluren der Agentur. Denn die Schuldpapiere werden elektronisch versteigert. Vor allem mittwochs laufen die Drähte heiß: Dann gehen bis elf Uhr die Gebote auf den Bildschirmen der Kredithändler ein. Mit wie viel Zins geben sich die Käufer zufrieden, um der Regierung Geld zu leihen?

Insgesamt 29 Banken dürfen an dem Bietverfahren teilnehmen. Zuletzt wollten die Finanzinstitute beispielsweise 0,98 Prozent Zinsen pro Jahr, um dem Bund insgesamt 5 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre zu leihen. Für zehnjährige Titel konnte die Regierung sich zuletzt für 3,22 Prozent Zinsen pro Jahr mit frischem Geld eindecken. Das sind mehr als drei Prozentpunkte weniger als das, was etwa Griechenland zuletzt zahlen musste. Deutschland verfügt eben über eine wesentlich bessere Bewertung der Zahlungsfähigkeit als das südeuropäische Land, was die Differenz erklärt.

Unter den wichtigsten zehn Bietern für deutsche Schuldtitel waren im vergangenen Jahr neun ausländische Großbanken. Allein die Deutsche Bank schaffte es als einheimisches Institut in die Top 10. Sie steht auf Rang zwei. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass letztlich die Citigroup als größte Abnehmerin der Papiere auch Deutschland am meisten Geld leiht. Denn oft geben die Bieter die Wertpapiere an andere Investoren weiter, die selbst nicht mitsteigern können. Zugelassen wird nämlich nur, wer mindestens 0,05 Prozent des jährlichen Emissionsvolumens kauft. Das wären in diesem Jahr etwa 170 Millionen Euro an Bundeswertpapieren.

Aber nicht nur professionelle Anleger sind für die Bundesregierung interessante Geldgeber. Sie leiht sich auch bei Privatleuten Mittel, indem sie etwa die bekannten Bundesschatzbriefe herausgibt. Mitte 2008 hatte die Bundesagentur zudem die sogenannte Tagesanleihe auf den Markt gebracht, die ähnlich funktioniert wie Tagesgeld bei einer Geschäftsbank.

Doch die neue Bundesregierung hat die als Werbemaskottchen fungierende Schildkröte Günther Schild zurückgepfiffen. Das Angebot war in den Wochen nach dem Zusammenbruch der US-Großbank Lehman Brothers so erfolgreich, dass die Geschäftsbanken sich über die staatliche Konkurrenz beschwerten und von der neuen Regierung erhört wurden. Auch der rasante Anstieg der Verschuldung lässt es unwahrscheinlich werden, dass bis 2013 tatsächlich 3 bis 5 Prozent der Staatsschulden direkt von Privatkunden getragen werden, wie es sich die Finanzagentur zum Ziel gemacht hatte.

Zurzeit beträgt der Anteil weniger als 2 Prozent. So stecken etwa 2,35 Milliarden Euro in der Tagesanleihe und 9,4 Milliarden Euro in Bundesschatzbriefen. So viel Geld beschafft die Finanzagentur an den professionellen Finanzmärkten schon mal in einer Woche.

Martin Dowideit