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Deutschland / Welt Post: 10.000 neue Jobs mit niedrigeren Löhnen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Post: 10.000 neue Jobs mit niedrigeren Löhnen
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19:45 22.01.2015
Die Post braucht mehr Zusteller - neue Mitarbeiter sollen aber weniger verdienen.
Die Post braucht mehr Zusteller - neue Mitarbeiter sollen aber weniger verdienen. Quelle: Malte Christians
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Bonn

Der Grund für die Einstellungsoffensive sei das vor allem vom E-Commerce-Boom ausgelöste Wachstum im Paketgeschäft, erklärte der Bonner Logistikkonzern am Donnerstag. Bis 2025 könnten sogar 20.000 Arbeitsplätze entstehen.

Bei der Gewerkschaft Verdi lösten die Pläne des Unternehmens jedoch Empörung aus. Die stellvertretende Vorsitzende Andrea Kocsis sprach von einem klaren Fall von Tarif- und Mitbestimmungsflucht. Neue Mitarbeiter im boomenden Paketgeschäft sollen künftig nicht mehr bei der Post selbst angestellt werden, sondern bei neu gegründeten Gesellschaften unter dem Namen DHL Delivery. Die Bezahlung orientiert sich dort nicht am Haustarifvertrag der Post, sondern an den in der Regel niedrigeren regionalen Tarifverträgen der Speditions- und Logistikbranche.

Die Post könne nicht auf Dauer doppelt so hohe Löhne zahlen wie die Konkurrenz, verteidigte ein Post-Sprecher den Schritt. Bestehende Arbeitsverträge blieben von den Plänen aber unberührt. Konzernvorstand Jürgen Gerdes betonte, diese Struktur biete der Post die Möglichkeit, unbefristete Arbeitsplätze zu schaffen und zugleich das Paketgeschäft „mit konkurrenzfähigen Löhnen auf eine belastbare und zukunftssichere Grundlage zu stellen“.

Angesichts des hohen Lohnkostenabstands zu den Wettbewerbern sei dies mit der vorhandenen Tarifstruktur nicht zu erreichen. Die Post betonte, die ersten Gesellschaften stellten ab sofort neue Mitarbeiter ein. Befristet Beschäftigte der Post, deren Verträge auslaufen, sollten dabei bevorzugt werden.

Verdi sprach in einer ersten Reaktion von einem „sozialpolitischen Skandal ersten Ranges“. Mit ihrem Manöver wolle die Post die Arbeitsbedingungen von mehr als 10 000 Beschäftigten radikal verschlechtern. Nach Berechnungen der Gewerkschaft drohen den Betroffenen allein mit Blick auf den Stundenlohn Absenkungen von bis zu rund 20 Prozent. „Das ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Sozialpartnerschaft“, sagte Kocsis. Nach Einschätzung der Gewerkschaft geht es der Post wirtschaftlich prächtig. Die Gewerkschafterin forderte den Vorstand auf, die strittigen Fragen auf Basis der geltenden Verträge zu lösen. „Eine Tarif- und Mitbestimmungsflucht werden wir nicht hinnehmen“ sagte Kocsis.

Post-Manager Gerdes wies den Vorwurf der Tarif- und Mitbestimmungsflucht zurück. Auch die Logistik-Tarifverträge seien von Verdi ausgehandelt, alle Mitbestimmungsrechte würden weiter eingehalten. Zu den ersten Regionen, in denen die neuen Gesellschaften bestimmte Bezirke für die Paketzustellung übernehmen werden, gehören nach Angaben der Post unter anderem Rostock, Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt, Wiesbaden, Nürnberg und Karlsruhe.

22.01.2015
22.01.2015