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Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutsche shoppen gegen die Krise an
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16:21 20.12.2011
Der Privatkonsum in Deutschland bleibt trotz Euro-Dauerkrise und Rezessionsängsten konstant und stützt damit die hiesige Wirtschaft.
Der Privatkonsum in Deutschland bleibt trotz Euro-Dauerkrise und Rezessionsängsten konstant und stützt damit die hiesige Wirtschaft. Quelle: dpa
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Berlin

Die Krise hat Europa fest im Griff, doch die deutsche Wirtschaft zeigt sich weiter unbeeindruckt von allen Hiobsbotschaften. Die Unternehmen hierzulande blicken positiv in die Zukunft. Auch die Verbraucher lassen sich von schlechten Nachrichten nicht beirren. Für das Gesamtjahr 2012 ziehen aber auch Wolken am Konjunktur-Himmel auf. Eine Rezession für die größte Volkswirtschaft in Europa erwarten die Experten der Wirtschaftsforschungsinstitute jedoch nicht.

Den Jahreswechsel gehen Deutschlands Unternehmer optimistisch an: Nachdem sie dem ifo-Geschäftsklimaindex bereits im November überraschend zu einem Anstieg verholfen hatten, hoben sie auch im Dezember den Daumen. Das wichtige Konjunkturbarometer stieg um 0,6 auf 107,2 Punkte, wie das ifo-Institut am Dienstag in München mitteilte. Die Einschätzung der aktuellen Lage ist unverändert gut. Deutlich nach oben gingen mit einem Sprung von 97,3 auf 98,4 Punkte die Erwartungen für die nächsten sechs Monate.

„Die deutsche Wirtschaft scheint dem Abschwung Westeuropas erfolgreich zu trotzen“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger führt die positive Stimmung der Unternehmer auf die gute Nachfrage im Inland und die realistische Einschätzung der Exporteure zurück. Allerdings sei Deutschland in Europa derzeit in einer Sondersituation und auch nicht vor Risiken gefeit, warnte Abberger. Die Aussichten blieben aber nicht schlecht, sofern die Politiker die Euro-Schuldenkrise in den Griff bekämen.

Zahlreiche Volkswirte hatten wie bereits im November mit einem Rückgang des ifo-Index gerechnet. Von Juli bis Oktober war das Barometer viermal in Folge gesunken. Den positiven November-Wert hatten sie als Ausreißer gesehen - ähnlich wie er kurz vor der Pleite der Lehman-Bank 2008 zu beobachten war. Der Index kommt durch die Befragung von 7000 Unternehmern zustande.

Auch der Privatkonsum in Deutschland bleibt trotz Euro-Dauerkrise und Rezessionsängsten konstant und stützt damit die hiesige Wirtschaft, wie das Marktforschungsunternehmen GfK mitteilte. Zum ersten Mal seit fünf Monaten stiegen zudem die Erwartungen der Bürger an die konjunkturelle Entwicklung. Dementsprechend rechnen die Konsumenten auch mit mehr Geld im eigenen Portemonnaie. Die Anschaffungsneigung sei allerdings auf hohem Niveau spürbar zurückgegangen. Der Konsumklimaindex für Januar erreicht dennoch erneut 5,6 Punkte.

Trotz der positiven Entwicklung betonte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl jedoch: „Das ist weniger steigender Konjunkturoptimismus als sinkender Konjunkturpessimismus.“ Die guten Rahmenbedingungen im Inland seien im Bewusstsein der Verbraucher diesmal nicht so stark von externen Einflussfaktoren wie der Schuldenkrise überlagert worden. „Ob dieser Trend anhalten kann, bleibt jedoch abzuwarten“, sagte Bürkl in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Mit einer kräftigen Eintrübung der Konjunktur rechnen jedoch die Wirtschaftsforschungsinstitute. Zwei von ihnen schraubten ihre Wachstumsprognosen am Dienstag kräftig nach unten. So erwartet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) statt eines noch im September prognostizierten Wachstums von 1,0 Prozent nun nur noch einen Zuwachs von 0,6 Prozent. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) korrigierte seine Wachstumserwartung für 2012 gar von 0,8 auf 0,5 Prozent. Die Forscher sehen zwar hohe Risiken, erwarten aber dennoch keine Rezession in Deutschland - wenn sich die Lage an den Finanzmärkten beruhigt und sich eine Lösung der Schuldenkrise abzeichnet.

In einer ebenfalls am Dienstag in Düsseldorf vorgelegten Analyse des Instituts für Makroökonomie (IMK) bei der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung gehen die Forscher dagegen von einem Rückgang der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,1 Prozent aus.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht die deutsche Wirtschaft gut gerüstet für die anstehenden konjunkturellen Herausforderungen.

dpa