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Deutschland / Welt Deutsche wünschen sich zu Weihnachten Bücher und Gutscheine
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11:42 17.12.2010
Von Julia Sellner
Die Kaufhäuser sind voll, dennoch wollen sich die Deutschen in Bescheidenheit üben. Quelle: dpa
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Die Wirtschaft brummt, die Wachstumsprognosen sind positiv – trotzdem geben sich die Deutschen zu Weihnachten bescheiden. Nur 470 Euro will jeder Bundesbürger in diesem Jahr für Geschenke, das Festtagsessen sowie Freizeitaktivitäten an den Feiertagen ausgeben – die durch die Finanzkrise arg gebeutelten Iren zeigen sich deutlich spendabler mit immerhin 1000 Euro. Auch Spanier und Italiener liegen mit 655 beziehungsweise 640 über dem Budget der Deutschen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, die auf einer europaweiten Umfrage von über 20 500 Verbrauchern basiert.

„In Deutschland ist das Image des Verschwenders sozial nicht erwünscht“, sagt Ines Imdahl, Geschäftsführerin des Rheingold-Instituts, das sich auf Marktanalysen spezialisiert hat. Anders als die Italiener oder Spanier, die mit ihrer südländischen Mentalität gerne mit ihrem Besitz und mit ihrer Großzügigkeit prahlten, konsumierten Deutsche eher im Verborgenen.

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Die Wirtschaftskrise hat diesen Trend offenbar noch verstärkt. „Die Krise hat gezeigt, dass es schadet, egoistisch zu sein“, sagt Imdahl. Statt grenzenlosem Konsum sei nun angesagt, viel Selbstgebasteltes an seine Liebsten zu verschenken. Teure Marken würden zwar nach wie vor gekauft – die Labels aber nicht mehr offen zur Schau getragen. Zudem legten in diesem Jahr die Deutschen laut Studie jetzt bei Geschenken mehr Wert auf sozial- und umweltverträglichere Produktionsbedingungen als früher.

Die Bescheidenheit der Bundesbürger zeigt sich auch beim Blick auf ihren Wunschzettel. Dort rangieren nützliche und besonders werthaltige Geschenke weit oben. Angeführt wird die Liste der Wunschpräsente von Büchern, gefolgt von Bargeld und Gutscheinen. „Bücher symbolisieren Gemütlichkeit, Heimeligkeit, Bescheidenheit – und sie stehen für die wahren Werte im Leben“, sagt Imdahl.

Sie warnt aber auch davor, die Umfrage zu ernst zu nehmen: Es handele sich bei den Angaben lediglich um reine Absichterklärungen. „Die Deutschen werden sicherlich mehr als 470 Euro ausgeben – oder aber sie verbuchen den zu Weihnachten angeschaffte Fernseher oder das Sofa nicht als Weihnachtsgeschenk.“

Wunsch und Wirklichkeit könnten auch bei den Iren weit auseinander klaffen. Die Erklärung, durchschnittlich rund 1000 Euro für das Weihnachtsbudget eingeplant zu haben, sieht Imdahl als unmittelbare Abwehrreaktion auf die Krise. „Die Iren wollen zeigen: Seht her, uns geht es gut, wir haben Geld – und die Krise betrifft uns nicht unmittelbar.“ Am Ende jedoch, so meint Imdahl, werde in Deutschland das Weihnachtsgeschäft mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgreicher verlaufen als in Irland. Mehr Schein als Sein – das gelte eben auch zum Fest.