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Deutschland / Welt Hoffnung auf den nächsten Rekord
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hoffnung auf den nächsten Rekord
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21:26 30.12.2017
Besser als von vielen erwartet: Der Aufwärtstrend an der deutschen Börse hat sich in diesem Jahr fortgesetzt.
Besser als von vielen erwartet: Der Aufwärtstrend an der deutschen Börse hat sich in diesem Jahr fortgesetzt. Quelle: dpa (Symbolbild)
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 Die Pessimisten haben verloren. Kaum ein Experte hatte den diesjährigen Erfolg des deutschen Aktienmarkts vorhergesagt. Die meisten warnten vor einem Jahr vor großen Schwankungen und letztlich geringen Kursgewinnen. Herausgekommen ist nahezu das Gegenteil: Zwölf Monate lang ging es mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) meist stabil aufwärts, bis das sechste Gewinnjahr in Folge geschafft war.

Einige schwächere Tage zum Schluss konnten die angenehme Überraschung nicht mehr verhindern: Mit gut 12.900 Punkten liegt der Dax um 12,5 Prozent höher als vor einem Jahr. Nach dieser Erfahrung wechseln die meisten Experten ins Lager der Optimisten und erwarten auch für 2018 deutliche Gewinne. Wirtschaftlich sei das Jahr „deutlich unterschätzt“ worden, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Die Konjunktur laufe in Deutschland, Europa und der Welt besser als erwartet. Steigende Unternehmensgewinne dürften die Kurse auch im kommenden Jahr antreiben, meint Ulrich Stephan von der Deutschen Bank.

Aktien: Die meisten Prognostiker wagen sich erstaunlich weit vor. In einer Umfrage des „Handelsblatts“ sagt die Mehrheit der Bankexperten für Ende 2018 einen Dax von rund 14.000 Punkten voraus. Ausreißer nach oben ist das Bankhaus J. Safra Sarasin mit 15.000 Punkten. Zu den Skeptikern gehören die Nord/LB-Analysten, die mit einer Stagnation bei 13.000 Punkten rechnen, und vor allem die Experten der Landesbank Helaba, die sich für einen Rückgang auf 12.300 Punkte rüsten. Die Aktienanleger seien „ausgesprochen sorglos geworden“, sagt Markus Reinwand von der Helaba. Zwar gelten deutsche Aktien gemessen an den Gewinnen der Unternehmen noch nicht als besonders teuer – im Gegensatz zu US-Papieren. Aber die Luft ist nach dem langen Aufstieg dünn geworden.

Zinsen: Seit der Finanzkrise 2007 fallen Zinsen als Ertragsquelle für Geldanleger weitgehend aus. „Sparkonten verzinsen sich – wenn überhaupt – nur noch symbolisch über der Nulllinie“, sagt Kater. Gleichzeitig beginnt allerdings die Inflation langsam zu steigen. So dürfte das kommende Jahr für viele Normalsparer erneut zum Minusgeschäft werden: Durch die Geldentwertung schrumpft zwar das Ersparte, es gibt aber keine Zinsen, die das ausgleichen könnten. Bis die EZB die Leitzinsen erstmals nach einem Jahrzehnt erhöhen wird, dürfte wohl auch 2018 ins Land gegangen sein. Die Zinsentwicklung gehört zu den großen Unsicherheitsfaktoren dieses Jahres. Ob die amerikanische Notenbank den Leitzins drei- oder sogar viermal erhöht, wie sich die US-Steuerreform auswirkt – all das liegt im Nebel.

Bitcoin: Dekabank-Stratege Kater spricht vom „Popstar der Finanzmärkte 2017“. Für eine Einheit der Computer-Währung wurden Anfang des Jahres keine 1000 Dollar bezahlt. Derzeit liegt der Preis bei knapp 15.000 Dollar. Die Experten sind sich einig, dass dieser Spekulationsblase eines Tages die Luft entweichen wird.

Von Stefan Winter