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Deutschland / Welt Deutsches Milchkontor setzt auf Export
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08:54 18.06.2014
Von Carola Böse-Fischer
Käseherstellung beim Deutschen Milchkontor: Darauf hat sich der Molkereikonzern spezialisiert, weil diese Produkte eine höhere Wertschöpfung bringen.
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Bremen

Das Ende der Milchquoten im nächsten Jahr dürfte in der Europäischen Union die Konsolidierung der Branche verschärfen. Diese Einschätzung gab Am Dienstag Josef Schwaiger, Chef des Deutschen Milchkontors (DMK) bei der Bilanzvorlage in Bremen. „Die Jahre 2015, 2016 und 2017 werden unberechenbar“, sagte er. Nach dem Auslaufen der Quoten können die Landwirte so viel Milch erzeugen, wie sie wollen. Und viele werden das laut Schwaiger tun.

Weil die Märkte für Milch, Joghurt und Käse in Europa gesättigt sind, bleibt als Absatzventil nur der Weltmarkt. „Alles, was zusätzlich produziert wird, muss raus“, sagte der Chef von Deutschlands größtem Molkereikonzern mit Sitz in Zeven. Die großen Unternehmen bereiteten sich derzeit auf die neue Lage vor. Nur die leistungsfähigsten könnten exportieren. Damit nehme auch die Notwendigkeit für Fusionen zu.

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Gleichzeitig erwartet man beim DMK, dass die Preise als Folge eines steigenden Angebots unter Druck geraten könnten. „Sie werden künftig auf jeden Fall stärker schwanken als früher“, erklärte Schwaiger. Hilfe von der Politik sei nicht mehr zu erwarten. Die EU ignoriere das „Wachstumsproblem“ bei den Milchmengen.

Das DMK sieht sich für die Marktliberalisierung schon gut aufgestellt. Allerdings sei der Exportabsatz außerhalb Europas noch zu gering, räumte Schwaiger ein. Gerade 8 Prozent des 2013 um fast ein Fünftel auf 5,3 Milliarden Euro gestiegenen Umsatzes wurde in Drittländern wie China oder Russland, aber auch in Afrika erwirtschaftet, 36 Prozent in Europa und 56 Prozent immer noch auf dem Heimatmarkt. Aber das Auslandsgeschäft wächst rasant. „Die Drittlandsmärkte sind unglaublich aufnahmebereit“, berichtete der DMK-Chef.

Der Molkereikonzern hat allein im vergangenen Jahr fast 170 Millionen Euro in seine heimischen Werke investiert, um die unterschiedlichen Geschmäcker und Kundenwünsche in den neuen Wachstumsmärkten bedienen zu können.

Gleichzeitig wurden die Verarbeitungskapazitäten ausgebaut. Damit die Kapazitäten bei einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren dann verfügbar sind, wenn sie gebraucht werden, befragt das DMK seit ein paar Jahren per Internet seine rund 9400 Milchbauern über ihre Produktionspläne in der nächsten Saison. In Summe wollen sie demnach im kommenden Jahr rund 600 Millionen Kilogramm mehr Milch an das DMK liefern. 2013 waren es insgesamt 6,7 Milliarden Kilogramm. Dafür steht dann die neue Milchtrocknungsanlage in Zeven für 70 Millionen Euro rechtzeitig bereit, wie es hieß.

Vor allem dank des starken Exportwachstums ist der Molkereikonzern gut ins laufende Geschäftsjahr gestartet. Bis Ende April seien die Erlöse um 17 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro gestiegen, berichtete Finanzchef Volkmar Taucher. Der Überschuss kletterte sogar um 151 Prozent auf 41 Millionen Euro, 2013 waren es 51,7 Millionen Euro. 2014 strebt das DMK ein Ergebnis von 50 Millionen Euro und einen Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro an.

Mehr Geld für die Milchbauern

2014 ist noch etwas mehr drin: Die Milchbauern, die das Deutsche Milchkontor beliefern, können zufrieden sein. Für ihren Rohstoff, aus dem Deutschlands größter Molkereikonzern H-Milch, Joghurt und Käse herstellt, haben sie im vergangenen Jahr deutlich mehr erlöst. Verglichen mit 2012 erhöhte das DMK den durchschnittlichen Auszahlungspreis um fast ein Fünftel auf 37,40 Cent je Kilogramm Milchmenge.

Im laufenden Geschäftsjahr 2014 könnte noch etwas obendrauf kommen. Nach einer kleinen Delle im Frühjahr ziehen die Preise wieder an, wie DMK-Chef Josef Schwaiger sagte. Für das Gesamtjahr 2014 können die Landwirte nach seiner Prognose mit einem Auszahlungspreis von gut 38 Cent je Kilogramm rechnen.

Hohe Milchpreise gehen beim DMK zulasten des Gewinns. Das ist gewollt. Als genossenschaftlich organisiertes Unternehmen strebt das DMK, wie Schwaiger betont, keine Maximierung des Gewinns an, sondern langfristiges Wachstum und gute Milchpreise für die Landwirte, die Anteilseigner des Unternehmens sind. Deshalb fällt der Gewinn von zuletzt 51,7 Millionen Euro im Verhältnis zum Umsatz nur auf den ersten Blick mager aus.

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