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17:34 19.03.2015
Noch ist Bargeld Zahlungsmittel Nummer 1 in Deutschland. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Sind die Tage für Schein und Münze gezählt? Spätestens im Jahr 2018, so die aktuellste Prognose des Einzelhandels, wird Bargeld seine Dominanz an der Ladenkasse in Deutschland verloren haben. Vor allem die Girocard (EC-Karte) wird immer beliebter, auch die digitale Brieftasche ist im Kommen - auch wenn für die meisten Deutschen das Bezahlen per Smartphone oder kontaktlos quasi im Vorbeigehen weiterhin ein rotes Tuch ist.

Noch ist Bargeld „Zahlungsmittel Nummer 1“ in Deutschland, wie die Bundesbank in ihrer dritten Studie zum Zahlungsverkehr feststellt. Unverändert werde mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze an der Ladenkasse bar abgewickelt. „Der Abwärtstrend bei der Verwendung von Banknoten und Münzen, der zwischen 2008 und 2011 erkennbar war, hat sich - zumindest vorübergehend - deutlich verlangsamt“, schließt die Bundesbank anhand der Zahlen für das Jahr 2014.

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Trotzdem räumt auch Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele ein: „Mittelfristig ist zu erwarten, dass der Bargeldanteil am Umsatz unter 50 Prozent sinken wird.“ Für einen Abgesang auf Bares sei es aber zu früh: „Bargeld wird trotzdem die wichtigste Zahlungsart bleiben.“ Zumal es gerade in vielen kleinen Geschäften wie Bäckereien oft gar keine Alternative zur Barzahlung gebe. Nach jüngsten Zahlen des Handelsverbandes HDE liegt der Bargeldanteil an den Umsätzen im deutschen Einzelhandel bei 54,4 Prozent (Stand 2013). Dabei gilt nach der Studie der Bundesbank: Je älter der Verbraucher ist und umso geringer sein Einkommen, umso eher greift er zu Scheinen und Münzen. Und: Frauen bezahlen deutlich häufiger bar als Männer.

Ein Fazit der Notenbank-Experten aber ist: „Abrupte Änderungen der Zahlungsgewohnheiten sind derzeit nicht zu erwarten.“ Das sieht auch Ludger Gooßens so, der Vorstandsmitglied beim Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) ist: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch in fünf bis zehn Jahren noch Bargeld haben werden.“

Doch abgesehen von dem Drittel der Bevölkerung, das sich dem digitalen Wandel verschließt und nach eigenen Angaben an der Ladenkasse grundsätzlich mit Bargeld zahlt, werden Alternativen zu Schein und Münze seit Jahren kontinuierlich beliebter. Selbst kleinere und mittlere Beträge zahlten Verbraucher immer häufiger mit Karte, stellt die Bundesbank fest. Daher feilen Banken und Sparkassen an alternativen Bezahlverfahren - schließlich wollen die traditionellen Häuser das Feld nicht der Online-Konkurrenz von Apple, Google, Paypal und Co. oder jungen IT-Firmen überlassen.

Kaum einer bezahlt per Handy

Denn das Internet ist mit einem Umsatzanteil von 4,9 Prozent inzwischen der fünfwichtigste Einkaufsort der Verbraucher in Deutschland - Tendenz steigend: 2011 lag der Anteil noch bei 3,6 Prozent, 2008 bei 3,3. Bei diesen Zahlen sind auch Onlinegeschäfte berücksichtigt, die per Kreditkarte, Lastschrift oder einer Überweisung nach Lieferung bezahlt werden. Auf reine Internetbezahlverfahren wie Paypal entfallen aber inzwischen immerhin 2,8 Prozent des Gesamtumsatzes.

Auch wenn das Bezahlen per Mobiltelefon heute fast noch keine Rolle spielt: Gerade für junge Menschen gehören digitale Angebote zum Alltag, die technikaffine Generation könnte auch innovativen Bezahlverfahren zum Durchbruch verhelfen. Thiele kann sich auch deshalb gut vorstellen, dass künftig mehr Zahlungen über das Handy abgewickelt werden - ob für Carsharing, Mietfahrräder, Parkautomaten oder das Taxi: „Es wird eine Bewegung in diese Richtung geben. Eventuell auch für Dienstleistungen, die heute noch gar nicht angeboten werden.“

Von Jörn Bender und Harald Schmidt

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