Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Deutschland will bei 
E-Mobilität an die Spitze
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutschland will bei 
E-Mobilität an die Spitze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:49 19.04.2010
Von Lars Ruzic
Klein, aber schwer: Das elektrische „Milano Taxi“ feiert Premiere auf dem Messestand von Volkswagen. Quelle: dpa
Anzeige

Volkswagen präsentiert mit dem „Milano Taxi“ in Halle 15 eine Studie, die aufzeigt, wie sehr die Elektrifizierung des Antriebsstrangs auch die Gestaltung der Fahrzeuge verändern wird. „Für uns entstehen ganz neue Herausforderungen“, umschrieb es der Designchef der Marke VW, Klaus Bischoff. Die Batterie steckt im Boden, die Motoren direkt an den Rädern – da lässt sich viel Platz gewinnen.

Mit dem Modell ließe sich durchaus südländisch durch Mailands Gassen fahren: 120 Stundenkilometer erreicht die Studie in der Spitze, wer zurückhaltend fährt, kann immerhin 300 Kilometer zurücklegen, ohne eine Elektrotanksäule aufzusuchen. Doch diese Daten lassen sich nur mit einer Großbatterie erreichen – eine Sonderanfertigung, die gut eine Vierteltonne auf die Waage bringt. Das kleine „Milano Taxi“ kommt dadurch auf anderthalb Tonnen.

Anzeige

Hier zeigen sich eben noch die Nachteile der Elektromobilität. Das Stromauto ist noch nicht ausgereift und zu teuer. „Zu heutigen Preisen ist diese Technik nicht marktfähig“, brachte es der Vorstandschef des Chipkonzerns Infineon, Peter Bauer, auf den Punkt. Die Zukunft biete jedoch die Chance, dass Elektroautos eine ähnliche Entwicklung nähmen wie Handys: von schwer und teuer zu leicht und günstig. Das allerdings erfordere intensivere Zusammenarbeit von Autoherstellern, Zulieferern, Energieversorgern und Elektronikfirmen.

Der internationale Wettlauf um die Technologien der Zukunft ist in vollem Gang – Chinesen und Amerikaner pumpen bereits Milliarden in ihre Industrien, um vorn dabei zu sein. Nach einer Studie, die der Verband der Elektrotechnik (VDE) gestern vorstellte, sehen die deutschen Firmen dennoch gute Chancen, schon bald die Spitze zu übernehmen. Zwei Drittel der Befragten halten das Ziel der Bundesregierung, 2020 Leitmarkt für Elektromobilität zu werden, für realisierbar. Vor allem bei Elektromotoren und Leistungselektronik hält sich die Industrie schon für führend – nicht jedoch beim wichtigsten Element der Elektroautos, der Batterie. Jeder zweite Befragte glaubt allerdings, dass Deutschland den Rückstand aufholen kann.

Neben Akkuleistung und Reichweite der Autos gilt die Schaffung einer neuen Elektroinfrastruktur als größte Herausforderung. Das umfasst nicht nur ein flächendeckendes Netz von Ladestationen, sondern auch Fragen der Bezahlmodalitäten oder die Möglichkeit, Strom aus der Autobatterie wieder einzuspeisen. Bei solchen „intelligenten Netzen“ sehen viele Fachleute hierzulande großen Nachholbedarf. Und das sind noch lange nicht alle Baustellen: International ungeklärt sind viele Fragen von Sicherheitsstandards bis hin zur Form des Steckers. Bei Letzterem hat die deutsche Industrie immerhin gezeigt, wie schnell sie sich an die Spitze setzen kann. Man entwickelte einen Stecker, der quasi an alle internationalen Netze angeschlossen werden kann, und machte ihn zur Industrienorm.

Schon heute sei das Modell „der weltweite De-facto-Standard“, hieß es beim VDE selbstbewusst. Gleichwohl forderte Verbandspräsident Joachim Schneider einen konkreten Zeitplan für alle Standardisierungsfragen. „Der Industriestandort Deutschland muss seine führende Position bei Fachwissen, Technologien, Normung und Sicherheit schnell und entschlossen nutzen, um das Wettrennen für sich zu entscheiden.“