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Deutschland / Welt Gesundheitstipps vom Plastikdino
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07:01 16.03.2015
Nur ein Plastikspielzeug, jedoch vernetzt mit dem Internet: Mit Watson präsentiert IBM Roboter, die lernen und abwägen können.
Nur ein Plastikspielzeug, jedoch vernetzt mit dem Internet: Mit Watson präsentiert IBM Roboter, die lernen und abwägen können. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Sein Gehirn heißt Watson und wird aus der Datenwolke gespeist. Mit ihrer Hilfe soll der quietschgrüne Plastikdino von IBM und einem New Yorker Start-up-Unternehmen ab Ende des Jahres Kindern die Welt erklären. Doch das teddybärgroße Spielzeug kann nicht nur Informationen abspulen, sondern lernt durch Gespräche auch dazu. Der Dino ist ein sogenanntes Cognitoy. Intelligente Roboter, die lernen können und ähnlich wie Menschen Entscheidungen abwägen – auf der heute beginnenden Cebit ist diese Science-Fiction schon Realität.

Seit dem Konzeptwechsel der weltgrößten IT-Messe liegt der Fokus der Exponate in Hannover auf digitalen Lösungen für Arbeitsprozesse und Geschäftsmodelle. Doch es geht dabei nicht nur um intelligente Steuerung von Produktionsrobotern und Software zur Auswertung von Nutzerdaten. Ein erster Rundgang durch die Messehallen lässt auch darauf schließen, wohin die Reise in die digitale Zukunft für private Verbraucher gehen könnte.

Der kognitive Lerndino ist eigentlich ein Beiprodukt, denn sein Cloudcomputing-System Watson wurde für andere Zwecke geschaffen. Etwa für die Anwendung in der Medizin. Mithilfe von Watson können Ärzte die Datenmassen, die jeder Patient produziert, auswerten und sich auf Basis von Wahrscheinlichkeiten eine Diagnose- und Behandlungsempfehlung geben lassen. „Damit bekommt der Arzt die Möglichkeit, für den Patienten eine individuellere Behandlungsmethode auszuarbeiten, als es jetzt machbar ist“, glaubt IBM-Vorstandsmitglied Martina Koederitz.

Um Optimierung und Big Data geht es auch am Stand von SAP. Setzt sich das Konzept des Software-Unternehmens zum Digital Farming durch, könnten bald am Rand vieler niedersächsischer Felder orangefarbene Plastikröhren mit Sensoren stecken. Diese informieren den Landwirt über alles, was er über sein Feld wissen muss. Wie feucht ist der Boden? Wie hoch sind die Triebe der Pflanzen? Muss wieder gedüngt werden?

Diese Informationen werden von einer Software ausgewertet und aufgezeichnet. Der Landwirt kann mit ihrer Hilfe seine Arbeit effizienter planen. Und sogar am Ende einer Saison ermitteln, warum der Ertrag auf einem Feld schlechter ausgefallen ist als erwartet. Derartige Innovationen kennen die Landwirte schon von anderen Messen in Hannover – etwa der Agritechnica. Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der inzwischen auch fast alle Messen durchzieht.

Der Mobilfunkanbieter Vodafone  will die Digitalisierung des Automobilmarkts vorantreiben – durch „Machine to Machine“-Technologie. Eine SIM-Karte soll in Zukunft Straßenlaternen zur Zapfsäule für E-Autos machen. Abgerechnet wird der Verbrauch via Smartphone und Handyrechnung. Zudem hat der Konzern schon eine Service-App entwickelt, die Autofahrern alle relevanten Daten über ihr Fahrzeug aufs Handy schickt.

Sie rechnet etwa aus, wie weit der Tank noch reicht, oder zeigt auf einer Karte, wo das Auto geparkt wurde. Sogar die Hupe lässt sich via Smartphone auslösen. „So findet man sein Auto selbst auf einem überfüllten Supermarktparkplatz wieder“, sagt Jan Kühnert vom Telematik-Unternehmen Cobra, einer Tochterfirma von Vodafone. Bislang ist diese App allerdings nur für Porsche-Modelle verfügbar.

Noch bis Freitag stellen insgesamt rund 5000 Unternehmen in 16 Hallen auf der Cebit ihre Produkte und IT-Lösungen aus. Etwa 250 davon sind Start-up-Unternehmen. Sie haben mit „Code_n“ und einem neuen Forum namens „Scale 11“ eigene Präsentationsflächen. Große Konzerne wie IBM haben ihre Stände im Vergleich zum Vorjahr vergrößert, weshalb nach Angaben von Deutsche-Messe-Vorstand Oliver Frese die Ausstellungsfläche erstmals seit Jahren wieder gewachsen ist.

Isabel Christian

Stefan Winter 18.03.2015