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Deutschland / Welt Die Landwirtschaft wird digital
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00:25 12.11.2015
Von Carola Böse-Fischer
Digitales Pflügen: Die eigentliche, landwirtschaftliche Arbeit muss allerdings noch von Hand gemacht werden. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Christoph von Breitenbuch beginnt den Arbeitstag auf seinem Rittergut Parensen bei Nörten-Hardenberg mit dem Einschalten des Computers. „Als Erstes checke ich Wetterdaten und Getreidekurse an der Warenterminbörse“, sagt der große, schlanke 40-Jährige. Dann öffnet er eine Datei, die verschiedene GPS-Grafiken enthält.

Digitale Biomassekarten liefern dem Agraringenieur Informationen über den Stand des Wachstums von Weizen, Raps oder Zuckerrüben. Nährstoffkarten zeigen, wo Dünger fehlt. Auf Ertragskarten kann von Breitenbuch ablesen, wie groß die Ertragsunterschiede auf einem Feld sind. Die Daten sind wichtig, weil die Ackerböden nicht homogen sind. Sie werden - quasi als Handlungsanweisung für von Breitenbuchs Mitarbeiter - auf ebenfalls mit Rechnern ausgerüstete Traktoren oder Mähdrescher gesendet oder per USB-Stick transportiert - und machen eine bis auf zwei Zentimeter genaue Bodenbearbeitung, Aussaat, Düngung und Ernte möglich.

„Mit diesem Wissen können Betriebsmittel und Arbeitskraft intelligenter eingesetzt, dadurch Boden und Umwelt geschont und die Erntelogistik optimiert werden“, erklärt von Breitenbuch. Smart oder Precision Farming heißt das Zauberwort. Das Ergebnis der Präzisionslandwirtschaft: Mehr Effizienz und geringere Kosten bringen mehr Ertrag auf knappen Flächen.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet der adlige Hightech-Landwirt als Geschäftsführer der Agrar-Betriebsgemeinschaft Leine-Solling schon mit der Satellitentechnik GPS. In dem Unternehmen haben sich neben von Breitenbuchs Betrieb drei weitere Rittergüter mit insgesamt rund 530 Hektar zusammengeschlossen. Seit 2010 gehört auch eine Dienstleistungsgesellschaft dazu, die weitere 70 Hektar für Fremdbetriebe bewirtschaftet. Ohne die moderne Technik wären diese Flächen nicht zu managen, sagt von Breitenbuch, der als einer der Pioniere des Smart Farming gilt.

Früher kannte ein Bauer seine Felder genau - weil es nicht so viele waren. Er konnte sich vom Anbau bis zur Ernte auf seine über Jahre gesammelten Erfahrungen verlassen. Heute funktioniert das nicht mehr, 60 Prozent der Ackerflächen sind Pachtland und wechseln von einem zum anderen Landwirt, wie Klaus Erdle von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) erklärt. Er ist bei der Agritechnica, die heute auf dem hannoverschen Messegelände startet, für das „Smart Farming - Digital Cropping“ zuständig.

Auf dem DLG-Stand in Halle 15 lässt sich erahnen, wohin die digitale Reise führt: Kleine Drohnen sind hier zu bestaunen, die - bestückt mit Spezialkameras - über die Felder fliegen und Fotos schießen. Sie zeigen dem Landwirt zum Beispiel, wo Böden zu nass sind und der Weizen nicht gut gedeiht - eine Information, die bares Geld wert ist. So ließe sich mit einer Drainage das Problem beheben. Rund 20.000 Euro kostet laut Erdle eine Drohne inklusive Software. Ein Landwirt müsse sie jedoch nicht selbst anschaffen, sondern könne diese IT-basierten Dienstleistungen auch „einkaufen“ - der Bedarf ist nach einer Untersuchung von Roland Berger Strategy Consultants riesig.

Schon Ende 2014 erreichte demnach das globale Marktvolumen für eine digital gesteuerte Landwirtschaft 2,3 Milliarden Euro. Bis 2020 sagen die Strategieberater ein Wachstum von 12 Prozent voraus - pro Jahr. Zugleich drängen der Studie zufolge neue Marktteilnehmer wie IT-Dienstleister immer schneller und aggressiver auf die Äcker. Dies dürfte die Arbeit der Bauern und die traditionelle Landwirtschaft stark verändern. Der Einsatz digitaler Techniken rechnet sich nur auf großen Flächen. Die Digitalisierung könnte mithin den Strukturwandel zu immer größeren Betrieben beschleunigen. Der klassische Landwirt, wie ihn sich Stadtmenschen heute noch vorstellen - wird er zum Auslaufmodell?

Für DLG-Manager Erdle ist das nicht sicher. In Deutschland arbeiteten erst 20 bis 25 Prozent der Landwirte professionell mit digitalen Technologien. Nicht nur die Kosten schreckten viele ab. Landwirte scheuten eine Investition auch, weil sie ihre Daten nicht in einer Cloud hinterlegen wollten, auf die Dritte wie Landtechnik-, Saatgut- oder Düngemittelhersteller zugreifen könnten. „Volle Datensicherheit kann keiner garantieren“, sagt Erdle.

Auch in der Praxis läuft die Digitalisierung keineswegs rund, wie von Breitenbuch berichtet. Schon weil es auf dem Land mit dem Internet hapere. Überdies seien Aggregate und Software der Hersteller oft nicht kompatibel, weil sie lieber ihr eigenes System vom Traktor bis zur Erntemaschine samt Software verkaufen wollten. „Deshalb kann immer noch nicht jeder Düngerstreuer mit jedem Schlepper kommunizieren“, bestätigt DLG-Manager Erdle.

Der nächste Schritt der Digitalisierung lässt offenbar ebenfalls auf sich warten: die Vernetzung der mit Satellitentechnik oder Drohnen gesammelten Analysedaten. Deren Bewertung versetzt den Landwirt erst in die Lage, Entscheidungen im Bedarfsfall schnell zu korrigieren, wie von Breitenbuch sagt. „Dafür ist eine spezielle Software nötig, die gibt es noch nicht.“ Vielleicht entdeckt er sie ja auf der Agritechnica.

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