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Deutschland / Welt Die Messe verschafft sich Luft
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22:02 08.09.2011
Das Messegelände ist kaum noch zu füllen. In den nächsten Monaten soll die Umgestaltung geplant werden.
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Hannover

Wie die Freiheit genutzt wird, soll in den nächsten Monaten entschieden werden. Der Abriss von Hallen ist ebenso denkbar wie ein Umbau oder die Nutzung durch andere Firmen. Von Fritsch sprach von einem „völlig ergebnisoffenen Prozess“.

Mit Cross-Border-Leasing hatten viele Kommunen und öffentliche Unternehmen eine Regelung im US-Steuerrecht genutzt: Ein US-Investor übernahm ihre Immobilien und vermietete sie zurück. So konnte er in den USA Steuern sparen und beteiligte die Partner an diesem Gewinn. Seit die Finanzbehörden das Schlupfloch 2005 stopften, sind die US-Firmen aber zunehmend zum Ausstieg bereit. Die Messe AG brachte 2001 ihre Hallen in ein solches Geschäft ein, unterschätzte aber wie viele andere die Tragweite: Die Verträge sind erst nach 30 Jahren kündbar und verpflichten zur Erhaltung der Hallen. Damals war man in Hannover stolz auf das „größte Messegelände der Welt“, doch kurz darauf war es kaum noch zu füllen. Die Messe AG hat deshalb bereits 2009 den Immobilienwert abgeschrieben und brauchte von den Eigentümern Stadt und Land eine Kapitalerhöhung. Die Bereinigung der Bilanz erleichterte jetzt den Ausstieg aus den Verträgen.

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Bisher lohnte es sich kaum, über eine Umgestaltung nachzudenken, die CBL-Verträge hätten sie nicht erlaubt. „Jetzt können wir wieder völlig frei über die künftige Entwicklung des Geländes entscheiden“, sagte von Fritsch, ohne Details zu nennen. Ein akutes Problem ist die alte Halle 1, die bisher weder abgerissen noch umgebaut werden konnte.

Letztlich sei die Messe AG glücklich aus den Verträgen herausgekommen, sagte von Fritsch. Das Geschäft habe in den zehn Jahren 25 Millionen Euro gebracht, und der Ausstieg werde den Gewinn 2011 um rund 15 Millionen Euro aufbessern, weil Rückstellungen aufgelöst werden können.

Mit einem Transaktionsvolumen von knapp einer Milliarde Dollar dürfte das Geschäft der Messe AG einer der größten CBL-Verträge in Deutschland gewesen sein. Der Messe-Vorstand hatte das Problem stets heruntergespielt und erklärt, es gebe keine akuten Risiken. Dabei drohte in der Finanzkrise der Verstoß gegen Vertragsbedingungen – dann hätten die US-Investoren die Kontrolle über das Messegelände bekommen. Über seine Vorgänger, die solche Verträge abschlossen, wolle er „den Stab nicht brechen“, sagte von Fritsch gestern.

Stefan Winter