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Deutschland / Welt Die Riester-Rente ist im Niedergang
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Die Riester-Rente ist im Niedergang
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08:00 27.01.2017
Von Albrecht Scheuermann
Vorsorge für das Alter: Lohnt sich die Riester-Rente noch?  Foto: dpa
Vorsorge für das Alter: Lohnt sich die Riester-Rente noch? Foto: dpa Quelle: Ingo Wagner
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Hannover

Manche Unternehmen stellen das Geschäft ein, andere betreiben es nur noch auf Sparflamme oder begrenzen es auf jüngere Kunden.

Dass die staatlich geförderte Altersvorsorge einen schweren Stand hat, zeigt sich an den gestern vorgelegten Zahlen des Versicherungsverbandes GDV. Demnach hat die Branche vergangenes Jahr nur noch 341 000 derartige Verträge abgeschlossen - 8,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch der Gesamtbestand der Verträge ging um knapp ein Prozent auf 10,7 Millionen zurück.

Die Attraktivität der nach dem früheren Sozialminister Walter Riester benannten, vom Staat mit Zulagen und Steuervorteilen geförderten Altersvorsorge leidet stark unter dem Niedrigzins. Die Versicherer müssen den Kunden garantieren, dass zum Beginn der Rentenzahlung mindestens die eingezahlten Beiträge vorhanden sind. Dies zwingt zu einer besonders vorsichtigen Geldanlage, die aber nur geringe Renditen ermöglicht. Zugleich sind die Verwaltungskosten für die Riester-Verträge wegen der Zulagen und der zahlreichen gesetzlichen Vorgaben höher als für normale Rentenversicherungen.

Dies macht es besonders Unternehmen mit relativ hohen Verwaltungskosten zunehmend schwer, überhaupt noch Verträge mit den vorgeschriebenen Garantien anzubieten - und auch für die Kunden wird die Riester-Rente immer uninteressanter, weil das Verhältnis von Beitrag und Leistung immer ungünstiger wird.

Die Öffentliche Lebensversicherung in Braunschweig zieht jetzt Konsequenzen: Sie hat das Riester-Neugeschäft zum Jahresbeginn erst einmal eingestellt. Jedes Geschäftsfeld müsse sich selbst tragen, dies sei jedoch bei der Riester-Rente nicht mehr der Fall, erklärte die Versicherung. Sie macht dafür auch neue kostenträchtige Regularien verantwortlich, die am 1. Januar in Kraft getreten seien. Die Entscheidung sei aber keine endgültige Absage, betonte ein Sprecher und verwies auf die politische Diskussion um die Zukunft der Riester-Rente. Sollte es zu Verbesserungen kommen, „werden wir die Riester-Rente für uns wieder in Betracht ziehen“.

Andere Unternehmen halten zwar an dem Angebot fest, schränken aber ihr Neugeschäft ein. So hat die Hannoversche Lebensversicherung das Höchsteintrittsalter jetzt auf 49 Jahre gesenkt. Bislang konnte man noch im Alter von bis zu 53 Jahren einen geförderten Altersvorsorgevertrag abschließen.Die Mindestlaufzeit beträgt damit jetzt 18 Jahre. Dadurch gewinnt das Unternehmen mehr Zeit, die für die Garantie nötigen Erträge zu erwirtschaften.

Die Versicherungsgruppe Hannover geht mit dem Höchstalter sogar noch deutlicher herunter. Seit Jahresbeginn dürfen Kunden für den Abschluss eines Riester-Vertrages statt bisher 53 nicht älter als 42 Jahre sein, die Mindestlaufzeit klettert auf 25 Jahre.