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Deutschland / Welt Die fetten Jahre sind für deutsche Autobauer vorbei
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Die fetten Jahre sind für deutsche Autobauer vorbei
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11:28 04.05.2013
Die Absatzkrise erreicht auch deutsche Autobauer. Quelle: dpa
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Frankfurt/Berlin

Europas Automarkt kennt nur eine Richtung: bergab. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch das kleine Plus in Deutschland im April nichts. Dabei ließ die Euro-Schuldenkrise den Autoabsatz in Europa schon 2012 auf den niedrigsten Stand seit 17 Jahren einbrechen. Doch der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht. Im ersten Quartal hat der Markt ein weiteres Zehntel eingebüßt. Das bekommen immer mehr auch die deutschen Hersteller zu spüren, die die Krise lange Zeit umkurvt haben - und dank Zuwächsen in Märkten wie China oder den USA Rekorde einfuhren.

Inzwischen müssen aber selbst hochprofitable deutsche Premium-Bauer wie BMW kleinere Brötchen backen. „Ich bin der Meinung, dass uns Europa mindestens die nächsten fünf Jahre beschäftigen wird“, prophezeit BMW-Chef Norbert Reithofer. Wie sehr die Krise den Münchnern zusetzt, zeigt der Gewinneinbruch ihrer Pkw-Sparte in den ersten drei Monaten. Mehr als 15 Prozent gingen verloren.

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Konkurrent Daimler sah sich zur zweiten Gewinnwarnung gezwungen. „In den ersten drei Monaten des Jahres haben sich viele Märkte, insbesondere Westeuropa, konjunkturbedingt schlechter entwickelt als erwartet“, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

In den USA kletterten die Verkäufe im April zwar weiter kräftig. Begehrt waren aber vor allem Pick-up-Trucks und Geländewagen - das half General Motors, Ford und Chrysler. Dagegen musste VW nach fast drei Jahren stetigem Plus einen Rückgang um 10 Prozent verdauen.

Auch in Deutschland läuft es nicht rund. „Die seit zwei Jahren währende Diskussion über die weitere Entwicklung in der Eurozone verunsichert und führt bei vielen Kunden zu einer Kaufzurückhaltung“, betont der Branchenverband VDA.

Die Europa-Krise sorgt dafür, dass die Renditen der Hersteller unter Druck geraten. Damit die Autos vom Hof kommen, werden sie mit hohen Nachlässen in den Markt gedrückt. Die Vertriebskosten etwa bei VW sind deutlich gestiegen, das aber wiederum drückt die Margen - wie zuletzt auch bei BMW und Audi, der Ertragsperle im VW-Konzern.

Nach einer Studie des Center Automotive Research (CAR) machen sich Privatkunden in Deutschland rar. Im ersten Quartal sei nur jeder dritte Neuwagen privat gekauft worden - der Rest waren Tageszulassungen, junge Dienstwagen oder Vorführwagen, die Hersteller oder Händler mit dicken Rabatten und schmalen Margen in den Markt drückten. „Das zeigt, dass das ertragsreiche Neuwagengeschäft für die Autobauer immer schwerer wird“, sagt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer. Dieser teure Kampf um Kunden setzt selbst Branchenprimus Volkswagen erheblich unter Kostendruck. Die Kernmarke VW verlor im Startquartal 2012 fast die Hälfte ihres operativen Gewinns.

Zwar wurden im April in Deutschland rund vier Prozent mehr Neuwagen zugelassen als vor einem Jahr. Eine Trendwende wollen aber nicht einmal die Lobbyisten herbeireden: Zumal der Markt seit Jahresbeginn fast neun Prozent im Minus ist. „Der Zuwachs ist ein positives Signal, allerdings bleiben die Märkte in Westeuropa schwach“, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Die Folgen der Krise sind massiv: Zum einen sorgt sie für teure Überkapazitäten. PSA Peugeot Citroën, Ford und Opel, die angesichts mangelnder Präsenz in Übersee am europäischen Tropf hängen, haben aus diesem Grund bereits Werksschließungen angekündigt. Bei Volkswagen, BMW, Daimler & Co ist das zwar kein Thema. Es werde allerdings immer schwieriger, die Flaute in Europa mit den nach wie vor gutlaufenden Geschäften in China und Nordamerika auszugleichen, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

Die Produktion wurde bereits gedrosselt, das aber ist erst der Beginn: Die Hersteller würden in den nächsten Monaten härtere Maßnahmen der Kapazitätsreduzierung einsetzen, sagt Bratzel. „Neben dem Ausschöpfen von Arbeitszeitkonten werden zunehmend Leiharbeiter ihren Job verlieren, auch Kurzarbeit kann in den nächsten Monaten drohen.“ Der heutige Beschäftigungsstand von knapp 750 000 Mitarbeitern in der Branche werde sich 2013 um gut 10 000 Mitarbeiter verringern, prognostiziert Dudenhöffer.

Grund zur Panik besteht aber nicht. Die deutsche Autoindustrie werde ihren weltweiten Absatz 2013 voraussichtlich um weitere drei Prozent steigern, prognostiziert das internationale Marktforschungsinstitut IHS Automotive für die „WirtschaftsWoche“. Das Wachstum kommt freilich nicht aus Europa - sondern aus den Schwellenländern und Nordamerika. 

dpa