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07:27 05.11.2016
Von Albrecht Scheuermann
Videokanal der Huk 24: „Sittenwidrig in Sippenhaft“.
Videokanal der Huk 24: „Sittenwidrig in Sippenhaft“. Quelle: Screenshot: Youtube
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Coburg

Ein Mann, der sich im Pool räkelt, ein Sektglas in der Hand, im Hintergrund leicht bekleidete Damen - dieses Filmchen sorgt für Ärger in der Versicherungswirtschaft. Der Online-Versicherer Huk 24 hatte das Video als Werbeclip ins Internet gestellt, die Versicherungsmakler fühlen sich verunglimpft. Das in Coburg ansässige Unternehmen wollte zeigen, warum es so preisgünstig Versicherungen anbieten kann, und lieferte eine simple Erklärung: Weil es auf „viele weitere kostspielige Dinge“ verzichte - wie zum Beispiel Versicherungsmakler, die für ihre Arbeit Provisionen kassierten und auch sonst von den Versicherern verwöhnt würden. Das Video spielt ganz offensichtlich auf die Badeanstalt-Affäre der Versicherungsgruppe Ergo an. Sie hatte im Jahr 2007 besonders verkaufsstarke Vermittler mit einer Lustreise nach Budapest verwöhnt - einschließlich des gemeinsamen Besuchs einer Badetherme, wo die Herren die Dienste von Prostitutierten in Anspruch nehmen konnten.

Der Clip ist inzwischen nicht mehr aufzurufen, aber der Ärger der Versicherungskaufleute ist noch nicht verraucht. „Mit Unglauben und Abscheu haben wir den aktuell aus Ihrem Hause kommenden Werbespot für die Kfz-Versicherung der Huk 24 zur Kenntnis genommen“, schrieb Norman Wirth in einem Brief nach Coburg. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands Finanzdienstleistungen AfW, in dem sich Versicherungs- und Kapitalanlagenvermittler organisiert haben. Wirth wirft der Huk 24 vor, dass „Kollegen und Mitbewerber in abwertender und fast schon sittenwidriger Weise in Sippenhaft für einige schwarze Schafe aus der Vergangenheit genommen werden“.

Auch der hannoversche Versicherungsmakler Thomas Billerbeck findet den Werbespot „äußerst ungeschickt“. Denn das damit verbreitete Bild falle auf die ganze Branche zurück - was auch nicht im Sinn der Versicherungsgruppe Huk Coburg sein könne. Zudem habe sich das Geschäft seit der Ergo-Affäre gewaltig gewandelt - „und das ist gut so“. Heute gebe es bei den Unternehmen einen strengen Verhaltenskodex, Geschenke und Vergünstigungen für Verkäufer wie früher gebe es nicht mehr. Und auch die Provisionen seien in den vergangenen Jahren stark zusammengestrichen worden.

Der fränkische Versicherer hat inzwischen den Brief des Bundesverbands Finanzdienstleistungen beantwortet. „Wir bedauern, dass der satirisch persiflierende Werbespot der Huk24 für Irritationen gesorgt hat“, heißt es in dem vor wenigen Tagen abgeschickten Schreiben. „Der beanstandete Werbespot, der ohnehin nur bis zum 4. November und ausschließlich online gezeigt werden sollte, wird nicht mehr ausgestrahlt.“