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Deutschland / Welt Kommt die Thüringer Wurst bald aus Texas?
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16:10 05.01.2015
Foto: Thüringer Rostbratwürste sollen nach dem Wunsch einiger Politiker auch weiterhin nur aus Deutschland kommen dürfen.
Thüringer Rostbratwürste sollen nach dem Wunsch einiger Politiker auch weiterhin nur aus Deutschland kommen dürfen. Quelle: dpa
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Berlin

Zu der Angst vor dem Chlorhühnchen aus den USA gesellt sich nun die Sorge vor der Rostbratwurst aus Kentucky: In Deutschland wird abermals über die Folgen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP zwischen der EU und den USA diskutiert. Hintergrund sind Äußerungen von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), wonach Hersteller regionaler Produkte ihre Privilegien verlieren könnten. „Die Vorstellung, dass Tiroler Speck oder Harzer Roller künftig aus Texas zu uns importiert werden, ist absolut grotesk“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Herkunft von Lebensmitteln schon heute nicht gut gekennzeichnet sei.

Nach Ansicht Hofreiters räumt die Bundesregierung nun Schritt für Schritt ein, dass mit TTIP die Lebensmittelstandards in Deutschland und Europa gesenkt werden. „Wenn das Freihandelsabkommen erst einmal geschlossen ist, wird man nur noch schwer Standards erhöhen können, gerade bei Lebensmitteln wird das kaum noch möglich sein“, warnte er in der „Passauer Neuen Presse“ (Montagsausgabe). Der Vize-Fraktionschef der Linken im Bundestag, Klaus Ernst, monierte: „Die Liste der Zugeständnisse an die USA wird immer länger.“

Regional geschützte Produkte als hohes Gut

Schmidt hatte dem „Spiegel“ mit Blick auf TTIP gesagt, um Chancen eines freien Handels mit dem amerikanischen Markt zu nutzen, „können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen“. Im Bayerischen Rundfunk (BR) ruderte Schmidt teils zurück. Er sei missverstanden worden und werde sich weiter für den Schutz regionaler Lebensmittel durch die EU einsetzen. Ein Sprecher des Ministers bekräftigte am Montag: Die hohen Standards in Europa seien nicht verhandelbar. Allerdings gebe es innerhalb der EU mehr als 2.000 Siegel und andere regionale Kennzeichnungen. Nun müsse es darum gehen, Missbrauch und Missverständnisse zu verhindern oder einzudämmen.

Für den Schutz regionaler Produkt sprach sich die deutsche Lebensmittelwirtschaft aus. „Wir wollen keine Original Nürnberger Rostbratwürstchen aus Kentucky“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Spitzenverbände der Lebensmittelwirtschaft, Christoph Minhoff, der „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe). Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) bezeichnete regional geschützte Produkte als hohes Gut. Kritik erntete Schmidt auch von den Verbraucherministern aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, Christian Meyer und Johannes Remmel (beide Grüne). Der Vorstoß Schmidts sei ein „Irrweg zulasten des Verbrauchers“, kritisierte Remmel.

Zustimmung vom Milchindustrieverband

Nach Ansicht der Verbraucherschützer von Foodwatch wird TTIP nicht dazu beitragen, dass die Standards zur Kennzeichnung von Lebensmitteln verbessert werden. Sie seien bereits „heute völlig unzureichend“. So kämen mindestens 90 Prozent des für Schwarzwälder Schinken verwendeten Schweinefleisches nicht aus dem Schwarzwald - „und darf trotzdem ganz legal als regionales Produkt vermarktet werden“, so Foodwatch. „Wo Nürnberg, Thüringen, Schwarzwald drauf steht, soll auch genau das drin sein“, forderte die Vorsitzende des Verbraucherausschusses im Bundestag, Renate Künast (Grüne).

Zustimmung bekam der Minister vom Milchindustrieverband. „Der übermäßige Schutz in der EU ist ein bürokratischer Popanz und Protektionismus“, betonte Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser in der „Bild“. Ähnlich äußerte sich der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. „Ein gewisser Schutz für echte Spezialitäten ist gut, zum Beispiel beim Dresdner Stollen“, betonte Verbandspräsident Peter Becker. „Aber nicht jede Wurst, nicht jeder Käse und auch nicht jede Brotsorte sollte geschützt werden.“

epd

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05.01.2015