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Deutschland / Welt Doppelfirmenchef Sergio Marchionne vor dem Durchmarsch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Doppelfirmenchef Sergio Marchionne vor dem Durchmarsch
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20:40 05.01.2011
Sergio Marchionne ist in Italien ein gefragter Konzernlenker. Der Fiat-Chef bastelt längst an seiner eigenen „Welt AG“. Quelle: dpa
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Der Plan von Doppelfirmenchef Sergio Marchionne scheint aufzugehen: Die Schaffung eines weiteren weltweit agierenden Autokonzerns.

Vielleicht schon in diesem Jahr will Fiat die Mehrheit an Chrysler übernehmen. „Ich weiß nicht, ob es wahrscheinlich ist, aber es ist möglich“, orakelte Marchionne zu Wochenbeginn. Er macht den Sprung über die 50-Prozent-Marke vor allem davon abhängig, ob Chrysler 2011 an die Börse zurückkehrt. Sollten die Amerikaner diesen Gang wagen, dürfte eine Anteilsaufstockung für Fiat mit einem Schlag viel teurer werden als jetzt.

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Derzeit halten die Italiener 20 Prozent an Chrysler und wollten eigentlich nur auf 35 Prozent aufstocken. Den Anteil hat Sparfuchs Marchionne im Gegenzug für das Versprechen bekommen, Chrysler mit europäischer Technik wieder auf Vordermann zu bringen – ein Unterfangen, mit dem der deutsche Autobauer Daimler grandios gescheitert war. Doch die Zahlen sprechen für Marchionne: Die im Krisenjahr 2009 eingebrochenen Verkaufszahlen von Chrysler haben sich wieder erholt. 2010 verkaufte der kleinste der drei US-Autokonzerne knapp 1,1 Millionen Wagen, ein Zuwachs von 17 Prozent. Gleichzeitig konnte der italienisch-kanadische Manager die Verluste eindämmen. Ab diesem Jahr soll Chrysler wieder schwarze Zahlen schreiben.

Parallel hat Marchionne in Italien aufgeräumt. Er hat die Lastwagenmarke Iveco sowie die Agrar- und Baumaschinen von Case New Holland vom Autogeschäft getrennt und sie als Fiat Industrial eigenständig an die Börse gebracht – und damit den über Jahrzehnte gewachsenen italienischen Traditionskonzern letztlich aus der Not heraus zerschlagen. Weltweit würden nur sechs Autokonzerne langfristig überleben, hatte der 58-Jährige Manager schon vor zwei Jahren prophezeit. Eine Jahresproduktion von bis zu sechs Millionen Autos sei dafür nötig. Dieses Ziel will er zusammen mit Chrysler bis 2014 erreichen.

Eine Fusion der beiden Autobauer schloss Marchionne aber erst einmal aus. Warum auch? Die Manager dies- und jenseits des Atlantiks tanzen nach seiner Pfeife. So drückte der Vielflieger mit dem Wollpullover durch, dass der knuffige Kleinwagen Fiat 500 in den USA über das Chrysler-Händlernetz vertrieben wird. Gleichzeitig verkauft er die nächste Generation der großen Chrysler-Limousine 300 in Europa unter der Marke Lancia.

dpa