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Deutschland / Welt Doris Schröder-Köpf wird Aufsichtsrätin bei Karstadt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Doris Schröder-Köpf wird Aufsichtsrätin bei Karstadt
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08:06 18.01.2011
Von Lars Ruzic
„Der Eigentümer kennt sie eben“, heißt es bei Karstadt zur Berufung von Doris Schröder-Köpf in den Aufsichtsrat. Quelle: dpa
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Überraschung bei Karstadt: Die Kaufhauskette, die lange wegen wirtschaftlicher Turbulenzen fast täglich in den Schlagzeilen war, präsentierte gestern ein prominentes neues Mitglied im Aufsichtsrat. Doris Schröder-Köpf, Ehefrau des früheren Kanzlers Gerhard Schröder und Journalistin, rückt in das Kontrollgremium auf – auf der Arbeitgeberseite. Ihr Ehemann und Karstadt-Retter Nicolas Berggruen kennen sich.

Doris Schröder-Köpf werde dem Unternehmen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung „zusätzliche wichtige Perspektiven geben“, lobte der Vorsitzende des Karstadt-Aufsichtsrates, Rewe-Konzernchef Alain Caparros, gestern die neue Kollegin. Schröder-Köpf selbst beließ es bei einer knappen Erklärung: Sie freue sich darauf, „an einer guten Zukunft für Karstadt mitarbeiten zu dürfen“ und danke für das Vertrauen, das ihr entgegengebracht werde.

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Angesprochen auf die Beweggründe für die Berufung der 47-jährigen Journalistin heißt es bei Karstadt: „Der Eigentümer kennt sie eben.“ Milliardär Berggruen arbeitet bereits mit ihrem Ehemann eng zusammen. Gerhard Schröder ist Mitglied im Rat des New Yorker „Nicolas Berggruen Institute“ – neben anderen bekannten Persönlichkeiten wie Spaniens früherem Regierungschef Filipe Gonzales oder Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Das Institut entwickelt politische Ideen zur Unterstützung von aktiven Regierungen. Zuletzt machte es Vorschläge, wie Kalifornien vor der Pleite zu retten sei.

Dem Sohn des deutschen Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen sind also weder unkonventionelle Ideen noch die Zusammenarbeit mit bekannten Persönlichkeiten fremd. Es passt zu der Rolle des Weltverbesserers, die er neben der des Finanz- und Immobilieninvestors gern bekleidet. Auch Berggruens Engagement bei Karstadt verbuchte manche böse Zunge im Einzelhandel eher unter Philanthropie denn unter Erfolg versprechendem Investment. Schließlich gab niemand mehr etwas auf die insolvente Kette. Doch Berggruen steckte 65 Millionen Euro in die Schuldentilgung und gab im Oktober vergangenen Jahres den insgesamt 25.000 Mitarbeitern eine neue Perspektive. Auf wegweisende neue Konzepte wartet man seitdem allerdings vergeblich.

Immerhin: Der Aufsichtsrat gibt sich schon einmal innovativ. Mit der Berufung Schröder-Köpfs steige der Frauenanteil in dem Gremium auf beeindruckende 40 Prozent, lobt sich der Konzern. Damit zähle Karstadt zu den deutschen Großunternehmen mit der höchsten Frauenquote im Aufsichtsrat. Das Gros der Mitglieder stellt in dem naturgemäß frauendominierten Handelskonzern allerdings die Belegschaftsseite. Unter den Kapitalvertretern ist Doris Schröder-Köpf die einzige Frau.

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