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Deutschland / Welt „Jede Serie geht einmal zu Ende“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt „Jede Serie geht einmal zu Ende“
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00:15 05.04.2014
Von Lars Ruzic
Die Drogeriemarktkette Rossmann rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von gut acht Prozent.
Die Drogeriemarktkette Rossmann rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von gut acht Prozent. Quelle: dpa
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Hannover

Der Drogeriekonzern Rossmann muss sich erstmals seit Jahrzehnten auf bescheidenere Wachstumsraten und neues Führungspersonal einstellen. Nach 16 Jahren mit zweistelligem Plus rechnet Konzernchef Dirk Roßmann für 2014 mit einer Umsatzsteigerung von 8 Prozent auf 7 Milliarden Euro, wie er bei der Bilanzvorlage am Firmensitz in Burgwedel berichtete. Negative Währungseffekte im Auslandsgeschäft sowie ein verschärfter Wettbewerb auf dem Heimatmarkt ließen keine höheren Zuwächse zu. „Irgendwann geht jede Serie einmal zu Ende“, sagte Roßmann.

Das gilt auch für die Konzernspitze. Sie steht vor dem tief greifendsten Umbau in der 42-jährigen Firmengeschichte. Zum Jahresende scheiden die beiden langjährigen Geschäftsführer Roland Frobel (Finanzen/Verwaltung) und Klaus Praus (Einkauf/Marketing) aus der Führung aus, sie bleiben dem Unternehmen aber als Berater verbunden. Ihre Nachfolger stünden bereits fest, sollten aber erst später präsentiert werden, sagte Roßmann.

Klar ist, dass Raoul Roßmann – der jüngere der beiden Söhne – im Jahresverlauf den Einkauf von Praus übernehmen soll. Der Unternehmensgründer ließ aber offen, ob der 28-Jährige auch in die Geschäftsführung aufsteigt. Der 37-jährige Daniel Roßmann werde sich weiterhin um das Immobiliengeschäft und die Expansion kümmern. Letztere ist allerdings gleichzeitig Chefsache. Er selbst hege noch keine Rückzugsgedanken, sagte der 67 Jahre alte Firmengründer. Dirk Roßmann und seine Frau Alice sowie Frobel und Praus bilden seit gut 20 Jahren das Führungsquartett des Konzerns.

Derweil richtet sich das Unternehmen auf eine leichte Abkühlung des Geschäfts ein. Das hatte der Firmengründer bereits Ende vergangenen Jahres im HAZ-Interview angekündigt. Zuletzt hatten Rossmann und dm noch stark von der Schlecker-Pleite profitiert. Nun aber ist der Markt weitgehend sortiert, im Drogerie-Kernsortiment gibt es kaum noch Wachstumspotenziale. Gleichzeitig rüste der Lebensmittelhandel bei Drogerieartikeln auf, sagte Roßmann. So habe Aldi inzwischen auch Nivea-Produkte von Beiersdorf ins Regal genommen.

Angesichts dessen sei das angepeilte Plus von 8 Prozent „doch auch keine schlechte Leistung“, sagte der Unternehmenschef. Für die Firmenspitze ist es nur eine Frage der Zeit, bis Aldi auch bei Drogerieartikeln die Preise senkt. „Wir erwarten das für das gesamte Sortiment“, meinte Praus. Derzeit sorgt der Discounter in der Branche für Unruhe, weil er nahezu wöchentlich bei neuen Produktgruppen die Preise herabsetzt – zuletzt etwa bei Fleisch oder Butter.

Dem verschärften Wettbewerb begegnet Rossmann mit einer aggressiven Expansion. Mit Rekordinvestitionen von 200 Millionen Euro wird die Eröffnung von 300 neuen Filialen vorangetrieben. Die Verkaufsfläche werde in diesem Jahr erstmals die Marke von einer Million Quadratmetern überspringen, hieß es. Hinter vielen Neueröffnungen stehen allerdings auch Umzüge in größere Geschäfte. Im Juni eröffnet Rossmann beispielsweise einen großen Laden in der hannoverschen Lister Meile, der zwei kleinere ersetzen wird.

Geld für die Expansion ist ausreichend vorhanden. Der Konzern hat keine Nettoverschuldung, das Eigenkapital liegt inzwischen bei 45 Prozent der Bilanzsumme. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz um gut 12 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen. Auch der Gewinn habe zugelegt, sagte Roßmann, ohne Zahlen zu nennen. 2012 hatte der Konzern vor Steuern 221 Millionen Euro verdient. „Rossmann ist Europas gewinnträchtigstes Drogeriemarktunternehmen“, so der Firmenchef. Der Konzern beschäftigt europaweit rund 40.000 Mitarbeiter, 5200 davon in Niedersachsen.

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