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Deutschland / Welt Druck auf Griechenland nimmt zu
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Druck auf Griechenland nimmt zu
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20:57 23.09.2011
IWF-Chefin Lagarde – hier mit Weltbank-Präsident Zoellick – sieht trotz aller Probleme für Griechenland „Zeichen der Hoffnung“. Quelle: dpa
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Athen/Washington

„Die eingegangenen Verpflichtungen und Vereinbarungen müssen umgesetzt werden“, sagte Schäuble am Freitag in Washington.

Allerdings wächst die Skepsis, ob Griechenland in der Lage sein wird, dies zu erfüllen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos soll über einen Schuldenschnitt von 50 Prozent gesprochen haben. Dies berichteten mehrere griechische Medien. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff hält einen Schuldenschnitt für unvermeidlich. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte Rogoff: „Die Gläubiger werden von einem Euro nominalen Schulden wahrscheinlich nur 30 oder 40 Cent wiedersehen, vielleicht noch weniger.“ Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot schließt eine Insolvenz Griechenlands nicht mehr aus. „Dies ist eines der Szenarien“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) der niederländischen Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“. „Ich war lange davon überzeugt, dass ein Konkurs nicht erforderlich ist“, wird Knot zitiert. „Die Nachrichten aus Athen sind jedoch zuweilen nicht ermutigend. Alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, dies zu vermeiden, aber ich bin nun weniger entschieden beim Ausschließen eines Konkurses, als ich das noch vor ein paar Monaten war.“

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Venizelos wollte am Freitag in New York der IWF-Chefin Christine Lagarde sowie Bankern die neuesten Sparbeschlüsse seiner Regierung präsentieren, wie sein Büro in Athen mitteilte. Die IWF-Experten werden in der kommenden Woche zusammen mit EU- und EZB-Fachleuten in Athen prüfen, wie ernst es Griechenland mit dem Sparen meint. Gibt die „Troika“ kein grünes Licht, bekommt Griechenland die nächste 8-Milliarden-Euro-Tranche aus dem ersten Hilfspaket nicht – und wäre im Oktober zahlungsunfähig.

Venizelos erläuterte den Athener Medien zufolge am Vortag vor Abgeordneten seiner Partei verschiedene Szenarien. Eines davon sei der Verbleib des Landes im Euro-Raum mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent, berichteten die regierungsnahe Athener Zeitung „Ta Nea“ und die Nachrichten-Internetseite „in.gr“. Die Zeitung „Ta Nea“ zitierte den Minister mit dem Satz: „Wir (in Athen) sollten aber nicht diejenigen sein, die dies ins Gespräch bringen. Es ist gefährlich.“ Venizelos Büro reagierte mit einer Erklärung, in der er sich zu den Zielen der EU-Beschlüsse bekennt und hinzufügt: „Alle diese Diskussionen, die Gerüchte, die Kommentare und Szenarien lenken ab vom zentralen Ziel.“ Dies sei die Fortsetzung der Sparpolitik.

Takis Tsafos, Birthe Blechschmidt und André Stahl