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Deutschland / Welt Deutsche Autokäufer greifen zum PS-Protz
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02:15 23.03.2018
Schneller Geländewagen: Der BMW Alpina XD3 mit über zwei Tonnen schafft es in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Quelle: dpa-tmn
Hannover

 Die Deutschen kaufen immer stärkere Autos. Im Jahr 2017 lag die durchschnittliche Antriebsleistung von Neuwagen bei 152 PS und überschritt damit zum ersten Mal die 150-PS-Grenze, wie das CAR-Institut der Universität Duisburg ermittelt hat. Vor zehn Jahren waren es im Schnitt rund 130 PS, vor 20 Jahren rund 100. 

„Trotz Dieselgate, Klimaprotokollen und Diskussionen um blaue Plaketten geht das PS-Rennen im deutschen Automarkt weiter“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts, am Dienstag. Der durchschnittliche Neuwagen habe mittlerweile mehr PS als der stärkste Porsche in den Sechziger Jahren, betonte er.

Hauptverantwortlich für den Leistungszuwachs ist laut CAR-Analyse der Trend zu Stadtgeländewagen. Mittlerweile ist jeder vierte Neuwagen ein SUV, und ihre Leistung liegt im Schnitt bei 170 PS. Ohne den SUV-Boom hätte der Durchschnittswert des gesamten Marktes stagniert oder wäre sogar zurückgegangen, betonte Dudenhöffer. Ein Ende dieses Trends sei nicht absehbar. SUVs legen vor allem auf Kosten kompakterer Modelle wie VW Golf und Opel Astra zu.

Gebremst wurde der PS-Zuwachs hingegen durch den Einbruch des Diesels. „Ohne Dieselgate hätten wir heute eine deutlich höhere PS-Zahl“, erklärte Dudenhöffer. Die in Deutschland verkauften Dieselautos leisten im Schnitt nämlich 26 PS mehr als Benziner.  Das Argument der Autoindustrie, der Diesel sei klimafreundlich, lässt der Autoexperte deshalb nicht gelten. Im Vergleich zum Benziner sind Diesel bei identischer Leistung zwar sparsamer und stoßen dadurch auch weniger CO2 aus – doch in der Praxis verkaufen sich vor allem leistungsstarke Diesel gut.  

Schweiz gibt noch mehr Gas

In den vergangenen Jahrzehnten stieg die PS-Zahl in Deutschland stetig an – mit einer markanten Ausnahme: Von 2008 auf 2009 sackte der Wert schlagartig von 131 auf 118 ab. Grund war die staatliche Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro, mit der die Deutschen vor allem Kleinwagen kauften.

Im Vergleich mit 18 anderen europäischen Ländern kaufen nur die Luxemburger, Schweizer und Schweden noch stärkere Autos als die Deutschen. Die Briten und die Norweger liegen nur knapp hinter den Deutschen, aber Dänen, Österreicher, Franzosen, Italiener und Spanier begnügen sich mit deutlich weniger Leistung, wie aus einer Analyse der Umweltorganisation ICCT (International Council on Clean Transportation) hervorgeht.

Liebling Benzin

Die Deutschen hängen außerdem vergleichsweise stark an klassischen Motoren. 66 Prozent von ihnen würden sich beim nächsten Kauf wieder für ein Modell mit Verbrenner entscheiden, die meisten davon für einen Benziner, berichtete am Dienstag die Unternehmensberatung Deloitte. Für 23 Prozent käme ein Hybrid in Frage, nur für 7 Prozent ein reines Elektroauto. 

„Deutsche Autokäufer wollen zukünftig Diesel meiden, doch scheint der Elektroantrieb noch weit entfernt von einem Durchbruch“, sagte der Deloitte-Berater Thomas Schiller. Unter anderem in Frankreich, Südkorea, Italien und China interessierten sich die Menschen stärker für neue Antriebe. Insgesamt hat Deloitte Verbraucher in 15 Ländern befragt.

Von Christian Wölbert

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