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Deutschland / Welt Eigener Strom wird deutlich teurer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Eigener Strom wird deutlich teurer
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21:34 12.06.2014
Von Jens Heitmann
Solaranlage auf dem Hausdach: Auch wer seinen Strom selbst erzeugt, soll künftig deutlich mehr zahlen. Foto: dpa Quelle: Rolf Haid
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Hannover

Die neue Regelung trifft Unternehmen ebenso wie Hauseigentümer, die sich zum Jahreswechsel eine kleine Solaranlage aufs Dach schrauben. Der niedersächsischen Landesregierung geht das zu weit: „Die geplante Umlage ist zu hoch“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel der HAZ. „Der Bundestag hatte gefordert, nicht mehr als 15 Prozent zu berechnen und Kleinanlagen freizustellen.“

Seit Jahresbeginn beträgt die EEG-Umlage 6,24 Cent je Kilowattstunde - nach dem von der Großen Koalition vorgesehen Satz müssen sich die Eigenerzeuger also auf die Zahlung von 2,5 Cent je Kilowattstunde einstellen. Darauf haben dem Vernehmen nach die Unterhändler von Union und SPD mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel geeinigt. Die Regelung soll für alle Neuanlagen gelten, die ab 2015 ans Netz gehen. Gabriel hatte ursprünglich eine härtere Regelung im Auge: Demnach sollten aus Gründen der Gerechtigkeit auch die bestehenden Anlagen mit 2,5 Cent belastet werden.

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Dafür soll die Neuregelung jetzt auch für Kleinerzeuger gelten, die weniger als 10 Kilowatt Leistung auf ihrem Hausdach installiert haben und weniger als 10 Megawattstunden verbrauchen. Diese Gruppe sollte bisher von der Umlage ausgenommen bleiben. Damit weitet sich der Kreis der Betroffenen deutlich aus: Nach Angaben des Bundesverbandes der Solarwirtschaft fällt ein Fünftel aller Photovoltaikanlagen unter die bisherige Bagatellgrenze.

Entsprechend harsch fällt die Kritik aus. „Der Wegfall der Freistellung für Kleinanlagen könnte dazu führen, dass die Kosten für das Messen und die Rechnungsausfertigung höher ausfallen, als die Umlage“, sagte Umweltminister Wenzel. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft werden mit der Gesetzesnovelle neue Ideen zur Speicherung von selbst erzeugtem Strom und neue Vermarktungsmodelle wie Mieterstromprojekte ausgebremst. „Das ist natürlich bitter“, sagte Geschäftsführer Robert Busch. Die Gefahr sei groß, dass die Bundesregierung nun ihre Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien verfehlen werde.

Auch die Wirtschaft reagiert verärgert. Mit der Neuregelung rücke die Bundesregierung deutlich von dem bisherigen Gesetzesentwurf ab, nach dem energieintensive Großverbraucher der Industrie nur 15 Prozent der EEG-Umlage auf selbsterzeugte und verbrauchte Elektrizität zahlen sollten, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller: „Die geplante Erhöhung von 15 auf 40 Prozent stellt neue Vorhaben zur Eigenstromerzeugung infrage und bedarf der dringenden Korrektur nach unten.“

Der Maschinenbauverband VDMA warnt davor, dass sich die Wirtschaftlichkeit der Eigenstromanlagen verschlechtere. Inzwischen planten nur noch 11 Prozent der Branchenunternehmen Investitionen in die Kraft-Wärme-Kopplung - vor einem Jahr seien es noch 16 Prozent gewesen.

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