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Deutschland / Welt EMI steht vor 
dem Abgrund
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt EMI steht vor 
dem Abgrund
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21:11 05.02.2010
Katy Perry gehört zu den wenigen aktuellen Stars, mit denen EMI noch glänzen kann. Quelle: afp
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Dadurch komme es zu einer „wahrscheinlich bedeutenden Deckungslücke“, erklärte das Haus, das Weltstars wie die Beatles, Robbie Williams und Depeche Mode im Angebot hat.

Seit der Übernahme durch den Finanzinvestor Terra Firma vor zweieinhalb Jahren lastet auf EMI ein Schuldenberg. Hinzu kommt die Strukturkrise der Musikbranche, die sich immer noch schwertut mit Geschäftsmodellen für das Internetzeitalter. Im Geschäftsjahr bis Ende März 2009 machte EMI einen Verlust von 1,56 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro). Schuld daran waren Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Pfund vor allem auf den Wert des Musikkatalogs. Wenn die Investoren von Terra Firma kein neues Geld zuschießen, könnte die Citigroup als größter Gläubiger schon bald das Ruder übernehmen.

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Die Wirtschaftsprüfer von KPMG warnen im Geschäftsbericht davor, dass EMI ohne frisches Geld Schwierigkeiten bekommen könne, bei der Überprüfung im März seine Kreditauflagen zu erfüllen. Die Schulden überstiegen das Betriebsvermögen um 408 Millionen Pfund. KPMG meldete deshalb „erhebliche Zweifel“ an, ob EMI den laufenden Betrieb fortsetzen könne.

Terra Firma hatte EMI im August 2007 im Boom der Private-Equity-Fonds übernommen. Damals zahlte Terra-Firma-Chef Guy Hands 2,4 Milliarden Pfund für das Plattenlabel, bei dem auch Herbert Grönemeyer und die Band Wir Sind Helden unter Vertrag stehen. Doch schon damals schrieb EMI Verluste. Die Branche kämpfte bereits mit rückläufigen CD-Verkäufen und illegalen Musikdownloads im Internet.

So hat sich der CD-Umsatz in Deutschland innerhalb weniger Jahre halbiert, erst jetzt scheint die Talsohle erreicht. Die Branche versuchte zunächst, den Trend ins Internet zu stoppen. Als das scheiterte, suchte man nach Bezahlmodellen, um wenigstens mitzuverdienen. Letztlich war es mit dem Elektonikkonzern Apple aber ein Branchenfremder, der mit seinem Online-Shop „itunes“ ein Geschäftsmodell für die digitale Zeit fand. Der Umsatz mit Downloads macht in Deutschland aber erst ein Zehntel des Marktes aus.

EMI hat unter der Branchenkrise besonders schwer gelitten. Der Konzern hat mittlerweile 2000 Stellen gestrichen und fordert zudem Entschädigung damaligen Verkäufer Citigroup. Die Bank habe damals nicht deutlich gemacht, dass sich ein Bieter zurückgezogen hatte. So habe sie künstlich den Preis hoch gehalten.

Das Gerangel seit der Übernahme schuf auch Misstöne mit den Künstlern. Die Rolling Stones wechselten 2008 nach Jahrzehnten zum Konkurrenten Universal Music. Auch die Band Radiohead kehrte EMI den Rücken. Paul McCartney rechnete mit seiner ehemaligen Plattenfirma ab und nannte sie „langweilig“. Auch die britische Sängerin Joss Stone kämpft derzeit um einen Ausstieg aus dem Label. Der Konzern verliert somit weiter Anschluss zu Konkurrenten wie Universal Music und Warner Music. Guy Hands soll bereits an seine Investoren herangetreten sein, um weitere 120 Millionen Pfund aufzutreiben.

dpa

Lars Ruzic 04.02.2010