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Deutschland / Welt Politur für das Biosiegel
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Politur für das Biosiegel
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22:26 25.03.2014
Die EU-Kommission will neues Vertrauen in das Bio-Siegel schaffen. Quelle: dpa
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Brüssel

Bioeier, die keine sind, Bio-Käse, der mit Bakterien verseucht war, Tomaten, die mit Pestiziden kontaminiert wurden – solche Lebensmittelskandale soll es nicht länger geben. Die Brüsseler EU-Kommission hat nach wochenlangen Auseinandersetzungen ihre Vorschläge für bessere Kontrollen, verschärfte Auflagen und EU-weit gleiche Bedingungen zur Herstellung biologisch angebauter Lebensmittel vorgestellt. „Wir wollen mehr und bessere Bioerzeugnisse“, sagte Agrarkommissar Dacian Ciolos am Dienstag in Brüssel. Der Vorschlag muss nun noch von den Ministern der Mitgliedsstaaten und vom Europäischen Parlament beraten werden.

Weitgehend unumstritten ist die Forderung des Kommissars, den Bauern künftig nicht länger ein Nebeneinander von biologischer und konventioneller Landwirtschaft zu erlauben. Das Risiko der gegenseitigen Kontamination sei zu groß, heißt es in dem Vorschlag. Wer Vieh hält, soll in spätestens zwei Jahren, wenn die Verordnung in Kraft treten könnte, mindestens 60 Prozent des Futters selbst anbauen oder in der unmittelbaren Umgebung einkaufen. Bisher waren es 50 Prozent. Eiweißfutter muss dann sogar zu 100 Prozent biologisch hergestellt worden sein. Derzeit dürfen noch 5 Prozent aus konventionellem Anbau hinzugefügt werden. Der Anteil von Pestiziden soll drastisch sinken. Er dürfte nach Inkrafttreten die heutigen Grenzwerte von Babynahrung nicht überschreiten.

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Einheitliche Standards für alle europäischen Landwirte seien nötig, hieß es, um sicherzustellen, dass Produkte, die geringeren Standards entsprechen, nicht auf dem Tisch landen. Das hatte sich in der Vergangenheit immer wieder als Problem herausgestellt. So ist beispielsweise die deutsche Biolandwirtschaft kaum noch in der Lage, die hiesige Nachfrage zu decken. Also wird importiert, was die Nachbarn hergeben. Nicht selten aber gelten dort bislang niedrigere Vorgaben als in Deutschland. So kamen Waren ins Land, die zwar das „Bio“-Qualitätssiegel trugen und zum gleichen, hohen Preis wie einheimische Produkte verkauft wurden, den Kriterien aber nicht genügten. Auch der Europäische Rechnungshof hat in seinem jüngsten Jahresbericht Kritik an den mangelhaften Kontrollen der Branche geübt.

Doch die Vorschläge werden noch zu heftigem Krach führen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte am Dienstag: „Die Kommission muss mit Augenmaß vorgehen, und vor allem Schwachstellen gezielt beseitigen. Auf keinen Fall dürfen wir riskieren, dass die Betriebe aufgrund überzogener Forderungen reihenweise aus dem ökologischen Landbau aussteigen.“ Es sei aber grundsätzlich in Ordnung, „dass es eine Straffung der Vorschriften geben soll, also sozusagen die Flut der Biolabels so zu kanalisieren, dass sie auch aussagekräftig sind“.
Einige Verbände halten der Kommission vor, übers Ziel hinauszuschießen. Insbesondere die Reinheitsvorschriften für die Pestizidbelastung stoßen auf Widerstand. „Eine Forderung nach vollkommener Rückstandsfreiheit orientiert sich nicht an den Realitäten“, hieß es beispielsweise beim Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN).

Von Detlef Drewes

25.03.2014
25.03.2014