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Deutschland / Welt EU-Musterknabe Estland zahlt jetzt mit Euro
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19:37 02.01.2011
Krone ade: Die neuen Preise im Supermarktregal sind für die Esten noch sehr ungewohnt. Quelle: dpa
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Zuvor hatten Slowenien und die Slowakei dieses Ziel erreicht. Estland hofft, durch den Beitritt mehr ausländische Investoren anzulocken. Viele Menschen befürchten allerdings einen weiteren Preisanstieg.

Pünktlich zum Jahreswechsel wurde das baltische Land mit 1,3 Millionen Bürgern zum Euro-Land – als erste frühere Sowjetrepublik. Insgesamt leben nun in der Euro-Zone 330 Millionen Menschen. Die Staats- und Regierungschefs hatten bei einem Gipfel im Juni in Brüssel endgültig grünes Licht für die Einführung der EU-Währung in Estland gegeben. Der EU gehört der baltische Staat seit 2004 an.

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Kurz nach dem Jahreswechsel hob Ministerpräsident Andrus Ansip erstmals 20 Euro an einem Geldautomaten ab. „Dies ist eine kleine Summe für die Euro-Zone, aber ein großer Schritt für Estland“, sagte Ansip. Es gebe keine Schwierigkeiten bei der Umstellung, teilte die Zentralbank in Tallinn mit.

Estland erfüllt im Gegensatz zu seinen Nachbarn Lettland und Litauen die Beitrittsbedingungen mit einem annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt und geringen öffentlichen Schulden. Die Teuerungsrate allerdings hat zuletzt kräftig angezogen und liegt mit 5 Prozent im EU-Vergleich hoch. Schon 2007 hätten die Esten um ein Haar den Beitritt zum Euro geschafft, scheiterten aber hauchdünn an der zu hohen Inflation.

In der Euro-Krise, die Rettungsaktionen für wackelnde Euro-Länder wie Griechenland und Irland notwendig machte, sind Staaten mit stabiler Haushaltspolitik jedoch in der Euro-Zone willkommen. „Der Eintritt Estlands ist ein starkes Signal für die Attraktivität des Euro und die Stabilität, die dieser den Mitgliedsstaaten der EU bringt“, sagte der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso.

Unumstritten ist die Währungsumstellung in dem Land aber nicht, von Begeisterung über die neue Währung war im Alltag wenig zu spüren. Bei Umfragen haben mal die Befürworter, mal die Gegner die Nase knapp vorn. Neben der Angst vor einem zusätzlichen Preisanstieg gilt der Zeitpunkt der Währungsumstellung als Grund für die Skepsis. Gegner befürchten, dass Estland für die Schulden anderer aufkommen muss.

Wann die nächsten EU-Länder ihre heimische Währung gegen den Euro tauschen werden, ist ungewiss. Im sogenannten „Wartezimmer“ des Euro, dem Europäische Wechselkursmechanismus, haben bisher nur Lettland und Litauen Platz genommen, neben Dänemark, das aber derzeit nicht als Euro-Kandidat gilt. Das Land im Norden hat eine Ausnahmeregelung und kann nicht zur Übernahme des Euro gezwungen werden – wie auch Großbritannien. Nicht mehr so eilig mit dem Euro hat es Polen. Nationalbankchef Marek Belka sagte: „Es hat keinen Sinn, heute der Euro-Zone beizutreten, weil einige Euro-Länder gewaltige Probleme haben.“

dpa