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Deutschland / Welt EU will Praktikanten schützen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt EU will Praktikanten schützen
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09:09 05.12.2013
Bei Praktika sollen künftig klare Qualitätsstandards gelten. Dies forderte EU-Sozialkommissar László Andor am Mittwoch. Quelle: dpa
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Brüssel

Sechs Monate hat EU-Sozialkommissar László Andor gebraucht, um sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Keine Ausbeutung von Praktikanten mehr – so lautete seine zentrale Forderung am gestrigen Mittwoch, als er EU-weite Standards vorschlug. Vor einem halben Jahr hatte der Kommissar noch selbst in der Kritik gestanden. Damals hatten ausgerechnet Praktikanten der EU-Institutionen Alarm geschlagen: „Wann hattest du das letzte Mal etwas anderes als ein Sandwich zu Mittag?“ – mit diesem Satz protestierten sie gegen miserable Bezahlung, aber auch mangelnde Betreuung und noch schlechtere Anschlussperspektiven im Beruf.

„Es kann nicht hingenommen werden, dass manche Praktikantinnen und Praktikanten derzeit als unbezahlte und billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden“, sagte der EU-Kommissar nun gestern. Mit ihren Leitlinien will die EU-Verwaltung die Mitgliedstaaten dazu anhalten, Regelungen zu erlassen, die für mehr Klarheit und Verlässlichkeit stehen. So sollen Praktika auf sechs Monate begrenzt sein. Am Anfang müsse eine schriftliche Vereinbarung zu Lernzielen, Betreuung, Arbeitszeit und eventueller Bezahlung stehen, fordert die Kommission.

Schon aus der Ausschreibung soll unmissverständlich hervorgehen, ob es sich um eine bezahlte oder unbezahlte Tätigkeit handelt. Ausnahmen soll es nach den Vorstellungen der Kommission nur für Tätigkeiten geben, die Bestandteil eines Studiums oder der Berufsausbildung sind. Aber wer in der privaten Wirtschaft, bei Behörden oder Organisationen arbeitet, darf künftig auf bessere Bedingungen hoffen: „Ein Praktikum muss qualitativ hochwertige Arbeitserfahrungen zu fairen Bedingungen sichern und somit die Chancen auf einen Arbeitsplatz steigern“, sagte Andor.

Allein in Deutschland absolvieren derzeit pro Jahr rund 1,9 Millionen junge Leute eine befristete Tätigkeit als Praktikum. In den EU-Mitgliedstaaten soll es in Zukunft mehr Praktikumsstellen geben. Die Staats- und Regierungschefs haben eine Garantie abgegeben, die allen jungen Menschen unter 25 Jahren spätestens vier Monate nach Schulabschluss oder Beginn der Arbeitslosigkeit einen „hochwertigen“ Job beziehungsweise ein Praktikum verspricht. Die Bundesregierung arbeitet ebenfalls an einem Standard, der für Praktika in Deutschland gelten würde. Mit der europäischen Vorschrift könnten junge Leute sicher sein, auch außerhalb der eigenen Grenzen auf geregelte Praktikumsstellen zu treffen. Doch noch ist es nicht so weit: Der Vorschlag von Sozialkommissar Andor muss zunächst von den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament gebilligt werden.

Von Detlef Drewes

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