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Deutschland / Welt EU fordert Auto-Notruf für alle
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20:44 07.09.2011
Rettungskräfte im Einsatz auf der Autobahn: Mit „E-Call“-Systemen werden die Helfer automatisch gerufen – ein wichtiger Zeitgewinn. Quelle: dpa
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Brüssel/Hannover

„Verletzte sind oft rein physisch nicht in der Lage oder verfügen nicht über die notwendigen Reflexe, den Rettungsdienst zu rufen“, heißt es in der Mitteilung aus Brüssel.

„E-Call“ heißt das Zauberwort. Das System funktioniert dabei im Prinzip ähnlich wie ein Airbag. Registrieren im Fahrzeug eingebaute Sensoren einen besonders starken Aufprall, löst dies automatisch einen Anruf bei der europaweit gültigen Notfallnummer 112 aus – also auch, wenn der Fahrer beispielsweise bewusstlos geworden sein sollte.

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Übermittelt werden dabei an die nächstgelegene Rettungsleitstelle die genaue Position des Fahrzeugs, dessen Kennzeichen und die Uhrzeit. Auch ein Zeuge, der einen Zusammenstoß sieht, kann mit einem Knopfdruck Notarzt und Sanitäter informieren.

Die Zeit bis zu deren Eintreffen kann damit stark verringert werden, wie erste Pilotversuche gezeigt haben. In ländlichen Gegenden müsse nur noch halb so lang auf ärztliche Versorgung gewartet werden, schreiben die Experten der EU-Kommissarin Neelie Kroes aus den Niederlanden. In einem Stadtgebiet dauerte es etwa 40 Prozent kürzer – viel Zeit, wenn jede Sekunde zählt. „Sobald flächendeckend eingeführt“, heißt es in dem Kommissionspapier weiter, „wird E-Call jedes Jahr europaweit Hunderte Leben retten und die Schwere von Verletzungen und Traumata in Zehntausenden Fällen reduzieren.“

Noch sind die Autobauer nicht zum Einbau des Systems verpflichtet – entsprechende Regelungen sind aber angekündigt. Sie betreffen nicht nur die Fahrzeughersteller, sondern auch die Mobilfunkanbieter und die Rettungsstellen selbst, die dann die technischen Voraussetzungen schaffen müssten.

Eine gesetzliche Vorgabe würde einen neuen Milliardenmarkt schaffen. Gleichzeitig wäre der Boden bereitet für eine großflächige Einführung weiterer Telematikdienste bis hin zum Internet im Auto. Denn ein für das „E-Call“-System im Fahrzeug notwendiges Telematik-Modul könnte ohne Probleme noch andere Informationen senden und empfangen.

Schon heute bieten die Autokonzerne vor allem in ihren Premiummodellen Bedienungselemente, die weit über die klassische Navigation hinausgehen.

Davon profitieren wollen allem Zulieferer wie Continental oder Bosch, die die entsprechenden Systeme liefern. Conti etwa hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben weltweit bereits 22 Millionen Fahrzeuge mit Telematikkomponenten ausgerüstet. Die Hannoveraner sind in diesem Segment Marktführer. Sie arbeiten längst am vernetzten Auto, das Informationen nicht nur mit dem Internet austauscht, sondern auch mit anderen Fahrzeugen. So könnten die Unfallzahlen weiter verringert werden, etwa indem ein Auto am Stauende das von hinten nahende Fahrzeug warnt, rechtzeitig abzubremsen.

Christopher Ziedler und Lars Ruzic