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Deutschland / Welt Das Rückgaberecht wird kostenpflichtig
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Das Rückgaberecht wird kostenpflichtig
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14:15 03.06.2014
Auf jeden Fall in die AGBs schauen: Auf Rücksendungen zum Nulltarif können sich Kunden künftig nicht mehr verlassen. Quelle: dpa
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Berlin

Bücher, Kleidung, Fernseher, Computer – das Versandgeschäft brummt. Vor allem bei Bekleidung wird der Umtausch oft gleich einkalkuliert, nicht selten bestellen Kunden mehrere Farben und Größen, um dann nur eine zu behalten – der Rest geht retour, formlos und zum Nulltarif. Doch darauf kann man sich bald nicht mehr blind verlassen. Vom 13. Juni an vereinheitlicht die Europäische Union die Regeln für Einkäufe bei Onlineshops und Versandhäusern.

Vor allem zwei Dinge ändern sich: Die Händler können generell verlangen, dass ihre Kunden die Rücksendekosten tragen. Außerdem kann die Bestellung zwar weiter bis 14 Tage nach Erhalt der Sendung widerrufen werden, die kommentarlose Rücksendung ist aber nicht mehr zulässig.

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Für den Versandhandel sind diese Transporte, die letztlich keinen Cent Umsatz bringen, zum echten Kostenfaktor geworden. An der Universität Bamberg untersucht die Forschungsgruppe Retourenmanagement das Thema und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass je nach Produktgruppe 20 bis 50 Prozent der Pakete wieder zurück geschickt werden. Weit vorn liegt demnach Frauenmode: 55 Prozent der Sendungen treten laut einer Kundinnenbefragung den Rückweg an.

Dennoch rechnen Branchenkenner nicht damit, dass besonders viele Versandhändler die neuen Möglichkeiten nutzen werden. „Dafür ist die Konkurrenz zu hart“, heißt es beim Handelsverband HDE. Einige große Versender haben bereits erklärt, dass sie auch weiterhin kostenlose Retouren anbieten werden, darunter Amazon, Zalando, Otto, mytoys, C&A, H&M und Lidl.

Auch bei einem fehlenden schriftlichen Widerruf rechnet man im Verband mit Kulanz: Der Händler habe schließlich kein Interesse daran, Ware an den Kunden zurückzuschicken, die dieser gar nicht haben will. Doch all das liegt in der Entscheidung des Händlers, und so rät ein HDE-Sprecher: „Auf jeden Fall in die AGBs schauen.“

Gemeint sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in denen die Kosten einer Rücksendung unter „Folgen des Widerrufs“ geregelt sind. Wer per Internet, Post oder Telefon bestellt, sollte also dort in Zukunft immer prüfen, wer das Rückporto trägt.

Für die Erklärung des Widerrufs genügt eine einfache Mail, zum Beispiel: „Hiermit widerrufe ich den Kauf des am 20. Mai bestellten TV-Geräts.“ Die Stiftung Warentest rät, den Verkäufer um eine Bestätigung zu bitten. Wer Bestellungen fristgerecht widerruft und zurückschickt, bekommt den gezahlten Preis und die Portokosten der Zusendung zurück. Der Einlieferungsbeleg von der Post sollte gut aufbewahrt werden, denn wenn die retournierte Ware kaputt ankommt oder verloren geht, trägt der Händler den Schaden, sofern der Kunde den Versand nachweisen kann.

Bei Onlinebestellungen können Kunden meist die Versandart wählen. Verkäufer müssen künftig aber nur die Kosten für die günstigste Versandart erstatten. Hat der Kunde also zum Beispiel per Express für 15 Euro Versandkosten geordert, gibt es bei der Stornierung nur noch 4 Euro für den Standardversand zurück und der Käufer muss die Differenz von 11 Euro selbst tragen.

Weiterhin gilt, dass verderbliche Ware und Spezialanfertigungen nicht zurückgegeben werden können. Auch CDs und Software, die nicht mehr versiegelt sind, sind von der Rückgabe ausgeschlossen.

Von Thomas Wüpper

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