Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Draghi bringt Eurokurs unter Druck
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Draghi bringt Eurokurs unter Druck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:20 03.04.2014
Foto: Um eine Deflation zu verhindern, könnten Anleihenkäufe getätigt werden, so Draghi.
Um eine Deflation zu verhindern, könnten Anleihenkäufe getätigt werden, so Draghi. Quelle: dpa
Anzeige
Frankfurt am Main

Draghi gab dem in diesem Jahr späten Osterfest eine Mitschuld  an der im März gesunkenen Inflationsrate; ein Deflationsrisiko  sieht er nicht. Der Leitzins bleibt auf seinem Rekordtief von 0,25  Prozent.

Draghi machte klar, dass die EZB nicht nur die konventionellen Mittel der Geldpolitik wie die Veränderung des Leitzins, sondern  auch andere Maßnahmen in Erwägung zieht. „Der Rat der EZB ist einstimmig der Meinung, auch unkonventionelle Instrumente im Rahmen seines Mandats zu ergreifen, um mit den Risiken einer zu langen Zeit geringer Inflation fertig zu werden“, sagte Draghi. Das  schließe auch den großangelegten Kauf von Staatsanleihen, das sogenannte Quantative Easing, mit ein. Die EZB werde - wenn nötig -  prompt handeln. Zum jetzigen Zeitpunkt beließ es Draghi aber bei  der erneuten Ankündigung, das die EZB zu allen Maßnahmen bereit  sei.

Finanzmarktexperten hatten zuvor auch nicht mit einem Einschreiten  der Währungshüter zum jetzigen Zeitpunkt gerechnet - obwohl die  Inflation im März erneut niedriger als erwartet ausfiel. Mit einer Inflationsrate von 0,5 Prozent lagen die Preissteigerungen im  Euroraum so niedrig wie während der Finanzkrise im Herbst 2009. Draghi zufolge ist ein Teil der niedrigeren Inflationsrate auf die Osterfeiertage zurückzuführen, die in diesem Jahr weit später im  Kalender liegen als noch im vergangenen Jahr. Ostern, traditionell ein beliebter Zeitpunkt für den Frühjahrsurlaub, habe Einfluss auf die Nachfrage nach Dienstleistungen. Deshalb erwartet die EZB im  April wieder einen Anstieg der Inflationsrate.

Ein weiterer Teil der niedrigen Inflation sei auf den moderaten Rückgang der Energiepreise sowie fallende Preise bei Lebensmitteln,  Produkten und Dienstleistungen in der Eurozone zurückzuführen. Trotzdem sieht die EZB keine Risiken für eine Deflation. Die  Inflation werde in den kommenden Monaten niedrig bleiben, aber danach sich langsam bis Ende 2016 dem EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent annähern.

Den Leitzins, der zentrale Zinssatz für die 18 Staaten der  Währungsgemeinschaft, hatte die EZB zuletzt im November auf das  Allzeittief von 0,25 Prozent gesenkt. Die EZB will mit niedrigen  Zinsen der kriselnden Wirtschaft in der Eurozone einen Schub geben. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank mit Geld versorgen können. An dem Zinssatz orientieren sich auch die Zinsen für Kreditnehmer und Sparer.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) forderte die EZB auf, die expansive Geldpolitik beizubehalten. Der Wirtschaftsbericht der Organisation sieht zwar die Wirtschaft auch in den Krisenländern wieder etwas im Aufwind. Jedoch forderte die OECD auch weitere Anstrengungen, um die  Bankenunion voranzutreiben. Auch die Staaten müssten die Konsolidierung der Staatshaushalte weiterverfolgen, heißt es in dem  Bericht.

afp

03.04.2014
02.04.2014
Lars Ruzic 05.04.2014