Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt EZB lässt Leitzins auf Rekordtief von 1,0 Prozent
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt EZB lässt Leitzins auf Rekordtief von 1,0 Prozent
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:03 13.01.2011
Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Anzeige

Angesichts der Schuldenkrise lässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euroraum auf seinem Rekordtief. Trotz der zuletzt gestiegenen Inflation bleibt er bei 1,0 Prozent. Das entschied der Rat EZB bei seiner ersten Sitzung des Jahres am Donnerstag in Frankfurt.

Der wichtigste Zins zur Versorgung der Banken im Euroraum mit Zentralbankgeld verharrt seit Mai 2009 auf diesem Niveau. Volkswirte rechnen frühestens Ende 2011 mit einer Zinsänderung, obgleich die Inflation im Eurogebiet im Dezember 2010 über die wichtige Marke von 2,0 Prozent auf 2,2 Prozent geklettert war. Die EZB sieht mittelfristig stabile Preise nur bei Werten von knapp unter 2,0 Prozent.

Anzeige

Höhere Zinsen würden Kredite verteuern und könnten daher Gift für die Erholung der Konjunktur sein. Das würde insbesondere die Bemühungen der hoch verschuldeten Staaten wie Irland, Griechenland oder Portugal zusätzlich erschweren, deren Wirtschaftsentwicklung durch die öffentlichen Sparmaßnahmen bereits schwer belastet wird.

Die Schuldenkrise zwingt die EZB nach Überzeugung von Volkswirten zudem, die Märkte weiter unbegrenzt mit billigem Geld zu versorgen und Staatsanleihen klammer Länder aufzukaufen. Helaba-Volkswirt Ulf Krauss ist überzeugt: „Ohne eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik, üppiger Liquiditätsbereitstellung und die Stützung der Anleihemärkte droht weiterhin eine Eskalation der Euro-Krise.“

Für etwas Beruhigung sorgten zunächst, dass sich nach Portugal am Vortag am Donnerstag auch Spanien und Italien erfolgreich Geld auf dem Kapitalmarkt beschafft haben. Der spanische Staat stieß mit seiner Platzierung von Anleihen auf eine robuste Nachfrage und erzielte Einnahmen von knapp drei Milliarden Euro.

Allerdings musste Spanien deutlich höhere Zinsen zahlen als noch im November. Die Rendite für die Anleihen mit einer fünfjährigen Laufzeit - und damit die Zinsbelastung für Madrid - stieg auf 4,59 Prozent. Dies ist fast ein Prozentpunkt mehr als bei einer vergleichbaren Auktion Anfang November 2010.

Auch Italien brachte erfolgreich ein Paket von Staatsanleihen auf den Markt und erzielte Einnahmen von rund sechs Milliarden Euro. Auch hier stiegen die Zinsen, auch wenn die Italiener noch deutlich weniger bezahlen müssen als die gebeutelten Spanier. So erhöhte sich die Rendite für die Anleihen mit einer fünfjährigen Laufzeit auf 3,67 Prozent - im November waren es noch 3,24 Prozent.

Trichet-Aussagen treiben Euro deutlich über 1,33 US-Dollar

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag nach überraschenden Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, stark gestiegen. Die jüngsten Einschätzungen des Notenbankchefs zur Preisentwicklung in der Eurozone deuten mehrere Experten übereinstimmend als erste Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung. Noch im Verlauf der EZB-Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung sprang der Euro über die Marke von 1,33 US-Dollar auf 1,3339 Dollar. Am frühen Nachmittag hatte die EZB den Referenzkurs noch auf 1,3199 (Mittwoch:
1,2973) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7576 (0,7708) Euro.

Trichet hat auf der Pressekonferenz eindeutig den Eindruck vermittelt, dass sich die EZB ernsthaft um das Thema Inflation in der Eurozone kümmern will“, kommentierte Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank die Aussagen des Notenbankchefs. Der jüngste Anstieg der Teuerungsrate in der Eurozone auf über 2,0 Prozent sei für die Währungshüter überraschend gewesen. Noch gehe die EZB davon aus, dass die Preise im weiteren Verlauf des Jahres wieder fallen werden, sagte Karpowitz.

Sollte aber wider Erwarten die Inflation auch in den kommenden Monaten von den steigenden Energiepreisen angeheizt werden, wird die EZB nach Einschätzung des Experten Karpowitz reagieren müssen. Vor dem Hintergrund der steigenden Preise „hat Trichet in der Pressekonferenz eine Zinserhöhung angedeutet und damit den Kurs des Euro kräftig nach oben getrieben“, sagte Karpowitz.

dpa